Justus Köhncke über seine Erleuchtung mit Juliane Werding / Videopremiere

Justus Köhncke fotografiert von Christian Werner für SPEX N° 361

»Schlager gelten ja als Schrott, aber ich liebe sie für ihre Tiefe«, sagt Justus Köhncke. Für die EP An alle hat er fünf großartige Schrottsongs aufgenommen. Wir haben mit ihm gesprochen und zeigen das erste Video.

Justus Köhncke hat es wieder getan. Schon mit seinem Solodebüt Spiralen der Erinnerung hat das ehemalige Whirlpool-Productions-Mitglied sich im Jahr 1999 als Trüffelschwein verschollenen oder mit Verachtung gestraften Liedguts erwiesen und als höchst einfühlsamer Interpret empfohlen. Für seine EP An alle knöpft Köhncke sich jetzt Songs von Howard Carpendale, Juliane Werding, Tanita Tikaram, Double und Nik P. vor (siehe die Tracklist unten) und entlockt ihnen ungeahnte poetische Momente. »Tasse Tee, kurz nachgedacht / Es geht um Leben und Tod«, singt Köhncke etwa in »Ein Riss in meiner Nüchternheit«, seiner ins Deutsche übertragenen Version von »Twist In My Sobriety«.

In einem Gespräch mit Jimmy Somerville für SPEX N° 361 erklärte Köhncke seine Liebe zum Schlager, erzählte von den Aufnahmen der EP und schwärmte speziell von Juliane Werding, durch die er eine Epiphanie erlebte: »Bei meinen Aufnahmen habe ich eine Art Erleuchtung erlebt … Während ich ›Stimmen im Wind‹ von Juliane Werding eingesungen habe, verstand ich plötzlich, worum es in dem Song geht. Ich hörte auf zu singen, weil ich heulen musste. Eine Frau steht am Strand, ihr Mann, ein Matrose, ist ertrunken, sie schaut hinaus auf die See und erinnert sich. Ich hatte das bis dahin gar nicht mitbekommen. Verrückt. Das Lied geht wirklich verdammt tief.«

Über den österreichischen Zeltfestkomponisten Nik P. und dessen von DJ Ötzi interpretierten größten Hit sagte Köhncke: »Ich habe auch eine Version der in Deutschland erfolgreichsten Single des Jahres 2007 aufgenommen. Ein krasser Mallorca-Schlager, er heißt ›Ein Stern (… der deinen Namen trägt)‹ und ist so deep. Ich habe eine verlangsamte elektronische Countryversion davon gemacht.«

Wie die klingt und wie aus »The Captain Of Her Heart« des Schweizer Duos Double »Der Herzenkapitän« wird, das ist ab sofort auf An alle zu hören (die EP erscheint als Download und in einer Vinylauflage von 300 Stück bei Martin Hossbach, mit der Textzeile »Nur ein Statist in meiner Wirklichkeit« in die Auslaufrille graviert; den Infotext schrieb die SPEX-Mitgründerin Clara Drechsler) und hier und jetzt zu sehen: SPEX zeigt das Video zu »Ein Stern (… der deinen Namen trägt)« als exklusive Premiere.

 
Justus Köhncke schrieb zuletzt für den Explicit-Content-Schwerpunkt in SPEX N° 369 einen Text über den »hypertalentierten schwarzen Fickzwerg in Reizwäsche« namens Prince und dessen Queerness. Köhnckes ganzes Gespräch mit Jimmy Somerville ist hier nachzulesen: Wahlverwandtschaften Jimmy Somerville vs. Justus Köhncke.

Justus Köhncke An alle Tracklist:
01. »Nachts, wenn alles schläft« feat. Chor der Kulturen der Welt
02. »Stimmen im Wind«
03. »Ein Riss in meiner Nüchternheit« feat. Gina D’Orio
04. »Der Herzenkapitän«
05. »Ein Stern (… der deinen Namen trägt)«

Justus Köhncke An alle, EP-Cover
Justus Köhncke An alle, EP-Cover

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