Justice, Video zu »Stress«

Wohin geht die Reise, Romain? Der Regisseur der Musikvideos von u.a. Simian Mobile Disco, The Last Shadow Puppets und DJ Mehdi bewegt sich mit seinem neuen Clip zu Justice’ »Stress« auf schwierigem Terrain: weder er noch Justice wuchsen in den Pariser Banlieu auf, den Vororten der Hauptstadt, in denen die unterschiedlichsten Menschen leben, meist reduziert auf ghettoisierte Stereotype. Genau dort ließ Gavras produzieren.

    Im Video zu »Stress« sehen wir junge, meist dunkelhäutige Franzosen, schwarze Lederjacken tragend, auf den Rücken das »Cross Symbol« von Justice gestickt. Die Kameraführung ist ruckelig aber kontrolliert, das Bild gestochen scharf, Schnitt und Musik gehen Hand in Hand. Dass hier ein Metafilm läuft, ein Kamerateam in einer Art Dokumentationsstil am Werk ist, erfährt man als Zuschauer erst gegen Mitte des Videos. Gavras lässt den Tonmischer während einer wilden Verfolgungsjagd durch die Häuserblocks kurz durchs Bild huschen, gegen Ende wird der Kameramann niedergeschlagen.

    Das Thema ist heikel: Bedient Gavras – wie andernorts angemerkt – Stereotypen, sogar Rassismen? Sicherlich hört und liest man immer wieder von Gewaltübergriffen in den Pariser Vororten, von Gangrivalitäten und Überfällen. Ebenso gut könnte man dieses Bild allerdings auch von einem differenzierteren Standpunkt aus betrachten. Gavras wählt den plakativen – aus cineastischer Sicht absolut sehenswerten – Weg, der aber wiederum die Frage aufwirft, wen er mit diesen drastischen Bildern anzusprechen gedenkt: die Politiker, die an den Pariser Umständen etwas ändern möchten? Oder diejenigen, die in den Vorstadtbewohner nur Ausländer sehen, die es abzuschieben gilt?

 

VIDEO: Justice – Stress

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