The Juan MacLean In A Dream

Nach fünf Jahren veröffentlichen The Juan MacLean mit In A Dream wieder ein neues Album. Jegliche Euphorie wird hier allerdings unterspielt.

Die Vergangenheit ist von Erfolg vermint. John MacLean war und ist Teil des Hauses DFA, jenes New Yorker Stalls, dessen Besitzer und bestes Rennpferd zugleich, James Murphy, mit LCD Soundsystem einen Sieg nach dem anderen erritten hat. Zumindest in der zweiten Hälfte der Nullerjahre, als Dance Music und Postpunk gemeinsam explodierten. Man beschwerte sich über das restriktive Nachtleben in New York, dem politisch-hedonistischen Zorn wohnte bereits die Trauer über die verlorene Jugend inne. Immer größer klang dabei der Gesang. The Juan MacLean, wie das Projekt von John leicht latinisiert heißt, kämpft auf seinem neuen Album mit denselben Kräften: Soll es eher Richtung historische Aufführungspraxis gehen, in diesem Fall frühe House-Neunziger, oder drängt der Erfahrungsschatz eines Tanzlebens in die Erzählform eines Lie-la-liedes? Weder MacLean noch seine Bandpartnerin Nancy Whang können das final beantworten.

Das letzte reguläre Album liegt fünf Jahre zurück, der Hit hieß »Happy House«, ein Titel als Programm: Der Zugriff aufs Archiv klang fröhlich, liebend, halbironisch halt. In A Dream trägt nun die Zeichen der connaisseurhaften Ratlosigkeit. Alles mit Bemühen studiert, durchaus. Aber weder MacLean noch Nancy Whang haben Melodien oder Stimmen, die mehr als generische House-Signale aussenden können. Auf diesem Album sind The Juan MacLean im Grunde eine Band, die wie ein Projekt klingen will. Das könnte eine gute Ausgangslage sein, diese konzeptionelle Offenheit hat bei den House-Historikern von Hercules And Love Affair anfangs gut geklappt. Dann wurden die Sängerinnen und Sänger wichtiger und wurden dementsprechend auch gewöhnlicher. Wer einmal einen Antony vor dem Mikrofon hat, kriegt später ein Vergleichsproblem.

Und so denkt man bei The Juan MacLean an James Murphy zurück – an das Leiden, an die Ironie, an die Kraft dieser Produzentenfigur, die erst auf der Bühne singen lernte. Wir hatten zugeschaut, wie aus einer Rumpelband mit einem Rumpelsänger eine analoge Tanzmaschine wurde, die über das Älterwerden sang und den Underground mit Las Vegas in Berührung brachte. Bei MacLean und Whang hören wir einzig zu, wie sie sich immer noch besser auskennen. Im Archiv. Da klingt nichts schlecht, schon gar nicht in der Ein-Kilo-Vinylpressung, die es wohl bald an der Feinschmeckertheke von Dean & DeLuca um die Ecke von der Fifth Avenue gibt.

Ein, zwei Nummern auf In A Dream erinnern an die Souveränität, die hybrider House vermitteln kann, der Volksmund nennt es cool: wie man langsamer brennen kann, höchstens im Midtempo. Und lange. Jede Nacht kennt solche Strecken. Es nicht eilig haben mit dem Längerbleiben, die Euphorie unterspielen: Alles andere ist David Guetta (auch geil, klar, nur nicht hier, nicht heute). Jedoch: Bei The Juan MacLean nicke ich nur immerzu schnell ein.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.