Furore in Dubstephausen

Von Null auf Superstar mit gerade einmal drei Singles – nicht ganz ungewöhnlich im Pop-Geschäft, recht unüblich aber für einen blutjungen Dubstep-Produzenten. Peter O’Grady alias Joy Orbison genügten ebendiese drei Tracks, um erst Großbritannien und im nächsten Halbschritt die restliche bassmusikorientierte Welt hinter sich zu scharen. »Hyph Mngo«, »BRKLN CLLN« und zuletzt »The Shrew Would Have Cushioned the Blow« waren die Titel jener Stücke, die sich innerhalb eines Jahres ins kollektive Clubgedächtnis eingebrannt haben. Für einige seiner raren DJ-Sets kommt er nun nach Hamburg, Leipzig, Berlin und Graz.

    Reiseunfreudig soll der 23-jährige Brite sein, es ist erst sein zweiter Deutschland-Besuch nach seinem Set im Rahmen der Honest-Jon’s-Labelnacht Anfang des Jahres. Ende des Monats wird er seine kontinentaleuropäische Clubtour im Rahmen des elevate Festivals in Graz (dort zusammen mit u.a. einem Live-Set von Mount Kimbie sowie einem DJ-Set von The xx-Produzent Jamie xx) beenden. Sein DJ-Set gestaltete sich während seines Berghain-Besuchs dabei wie seine Eigenproduktionen: Stimmungsgeladen, spielerisch aber druckvoll, reich angefüllt mit Vocal-Samples und satten Tiefschlägen im Bassbereich.

    Abseits der Plattenspieler geht Joy Orbison seine Karriere ganz abgeklärt an an, jede Single veröffentlichte er bisher auf einem anderen Label: Am schnellsten war Scubas Label Hotflush Recordings, wo die Anfangs trügerisch in Richtung Ambient weisende, später aber in einen gewaltigen 2Step-Beat mündende, euphorisch gestimmte Vocal-Nummer »Hyph Mngo« erschien. Als nächsten Schritt wählte Orbison mit der 12" »J.Doe« bzw. »BRKLN CLLN« die erste (und bisher einzige) Veröffentlichung auf seinem eigenen Label Doldrums Recordings, Anfang 2010 folgte die EP »The Shrew Would Have Cushioned the Blow« auf Aus Music, dem Label der Briten Will Saul und Fink. Daneben machte er sich als Remixer für Four Tet, José James und Todd Edwards bereits mehrfach einen guten Namen – vor neuen Aufträgen kann er sich derzeit wohl kaum retten. Alleine aus diesem Referenzsystem lassen sich schon Talent, Selbstbewusstsein und Erfolg Joy Orbisons ablesen, unterstrichen wird dies nur noch vom überwältigenden kompositorischen Geschick seiner Produktionen.

    Vielleicht hat er in der Familie gut aufgepasst: O’Grady ist der Neffe von Ray »Terrorist« Keith, Breakbeat- und Drum&Bass-Legende der ersten Stunde, der mit seinen Labels Penny Black, Dread und UFO in den Neunzigern selbst eine gut aufgestellte Ich-AG war – und sicherlich ein nicht unwesentlicher Einfluss in Joy Orbisons Werdungsfindungsphase gewesen sein dürfte. Es wird spannend sein zu verfolgen, wie seine nächste Veröffentlichung klingen mag – und ob sie auf Honest Jon’s Records oder erneut auf Doldrums Recordings erscheinen wird. Bis dahin sollte man die müden Knochen in den Club schleppen: Joy Orbison wird in Zukunft noch für viel Furore in Dubstephausen sorgen, seinen nächsten Besuch wird man vermutlich erst im nächsten Jahr erleben – dann wird man auch mit seinem Debütalbum rechnen können.

 


STREAM: Joy Orbison – Greenmoney Mix


STREAM: Four Tet – Love Cry (Joy Orbison Remix)

Joy Orbison (DJ-Set):
07.10. Hamburg – Ego (mit OneTake, Superdefekt, Christian Weber)
08.10. Leipzig – Conne Island (mit OneTake, Shanana & Betty, Liebkos, ExtraHeavyweightSoundsystem)
09.10. Berlin – Horst Kreuzberg (mit Fiedel, Jenne Grabowski, OneTake)
22.10. A-Graz – elevate Festival (mit Mount Kimbie (Live), Jamie xx, Pursuit Grooves (Live), Felony Flats)

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