Jori Hulkonnen

Demnächst materialisiert sich im Kino ja der komplett animierte Star Wars-Ableger »The Clone Wars«. »Gentleman Prefer Laser«, der erste Track vom neuen Album des Finnen Jori Hulkkonen, klingt wie eine Bewerbung für den Soundtrack, hätte ein treffliches Luke Skywalker-Thema abgegeben, wenn George Lucas Star Wars in den Achtzigern begonnen und Giorgio Moroder statt John Williams den Score besorgt hätte. So wie der Titel sich mit leicht alberner Ironie über die unerträgliche Weinerlichkeit der Nostalgie hinwegsetzt, funktioniert das ganze Werk: vertraute Sphären werden mit souveräner Distanz dem Kosmos der Gegenwart einverleibt.

    »Forgive Me Father For I Have Synth« schichtet kuschelig blubbernde Konsolenklänge nach und nach zu einer großen Ton-Torte, die bewährten Zutaten aus drei Jahrzehnten elektronischen Pops bezogen. Weil das Zitieren so schön funktioniert, radebrecht Justine Electra im Titelsong mit Kraftwerk im Kopf »Roboter ist ein Programm auch« und spinnt damit den Faden ihrer Neo Folk-Single »Fancy Robots« zu einem Liebeslied an Bits und Bytes weiter. Im Ganzen formuliert Hulkkonen ein postindustrielles Manifest, nachdem Irren eben auch maschinlich ist, Computer auch nur Menschen sind und letztlich einem der Fortschritts nichts antut, was sich Menschen einander nicht auch selbst zufügen würden. Es geht eben nicht um technologisch garantierte Unfehlbarkeit. Das Gebot der Moderne ist, immer interessantere Fehler zu machen.

MP3: Jori Hulkkonen – Customs Person

    Auf »Synthetic Ballad Of Charles Darwin« phrasiert Jimi Tenor wie der ganz frühe Prince Roger Nelson, entwickelt einen schlackelosen Anti-Kreationisten-Gospel, der in den Schlachtruf »Darwin was right« mündet. Der konditionierte Hörer fühlt da einen großen Chor, hinter dem sich allerdings lediglich Jimi(s) Tenor und ein wenig Hall verbirgt. Dank ihrer ökonomischen Dramaturgie regen Hulkkonens überlegte Frickeleien Hirnregionen an, die in seinem Metier all zu oft nur befriedet werden. Jeder Track wandelt sich mehrfach. Bevor ein Sound, ein Beat sich totlaufen würde, wird in die Trickkiste der Monty Phytons gegriffen, wechselt Hulkkonen nach dem Motto »Und nun zu etwas völlig anderem« die Stimmung, zaubert eine andere Idee heraus, ohne sich in Beliebigkeit zu verirren. So imitiert in »Titans« die Akustikgitarre erst zwei Minuten ein Bach’sches Präludium für Anfänger und spielt dann Hasch mich mit dem sphärischen Gesang von Ernesto: Wer geht als erster einen Halbton tiefer, macht aus der harmoniegetränkten Chill-Out-Ballade einen verunsichernden Trip durch Mollakkorde und schließlich spacigen Streicherkitsch? Bisweilen wünscht man sich zwar, dass Hulkkonen aus seiner Vokalistenarmada auch eine größere stimmliche Bandbreite, mehr Prägnanz herausfiltern würde, aber vielleicht wäre das ja das Ende jenes traumhaft androgynen ›einen Gusses‹ aus dem »Errare machinale est« nun einmal besteht. Es ist im besten Sinne reif, und nur als Doppel-Vinyl und Download zu erwerben. Weitermachen!

LABEL: F Comm

VERTRIEB: PIAS

VÖ: 04.04.2008

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