Jons „At Work On Several Things“ / Review

Jons‘ neues Album ist großartige psychedelische Gitarrenmusik mit köstlichstem Zurücklehn- und wahlweise sogar, ja, Schunkelfaktor.

Patrick Rendell, David Parry, Logan Holmes und Keenan Mittag-Degala kommen aus Victoria, British Columbia, ganz im Westen Kanadas. Die 80.000-Seelen-Stadt liegt am südlichen Zipfel von Vancouver Island, Seattle ist nicht so arg weit weg. Szenerie: pittoreskes Hafenambiente, altes Fairmont Express Hotel, ordentlich getrimmte Botchart-Gärten. Von April bis Oktober kann man in den Gewässern um die Stadt besonders gut Schwertwale beobachten. Alles wirkt schön beschaulich. Szenerie beiseite: Victoria hat eine sehr lebendige, dichte Musikszene, in der Jons seit 2013 mitmischen.

Nun bringen sie ihr drittes Album in Eigenregie auf Kassette heraus. „At Work On Several Things“ liegt eine Art Story zu Grunde. Trotz diverser Demütigungen möchte sich ein Schauspieler den Traum der großen Leinwand in Los Angeles erfüllen. Ein Plot, den die Band selbst an anderer Stelle schon als „misguided faith in an outdated Hollywood dream“ bezeichnet hat, und: Klar ist dieser Traum irgendwie ausgeträumt. „At Work On Several Things“ ist aber zum Glück weit entfernt davon ein Konzeptalbum zu sein, die Geschichte schimmert lediglich hin und wieder in den Texten durch.

Langsamkeit von der guten Sorte.

Jons gehen die Dinge mit hippiesker Leichtigkeit an. Also: Langsamkeit von der guten Sorte. Die Gitarren leiern und funkeln und alles treibt schön zielstrebig vor sich hin. Könnte man abtun als etwas, was als solche bezeichnete Slacker in Bands heute so machen. Nein, das hier ist schlau und dabei einfach sympathisch entspannt, zugänglich ohne beliebig zu sein. Jons sind dabei auch eine gute Ecke melancholisch. Das waren sie auch schon auf dem Vorgänger „Serfs of Today“ von 2014. Darauf findet sich ein Stück Namens „Soft Spot“, in dem es um ihren Heimatort Victoria geht und darum, von dort wegzugehen, wiederzukommen und es doch zu mögen – die Beschaulichkeit und das alles.

Kurzum: Es führt kein weg dran vorbei. Jons gehören zu einer Reihe junger kanadischer Bands die mit wenigen Veröffentlichungen zeigen, wie gut sie sind. Jons werden wohl größer – wenn sie wollen. Jedenfalls: Von Victoria aus sind es gut 120 Kilometer nach Vancouver; nach Halifax im Osten um die 6.000; nach, was soll’s, Berlin, sind es noch ein paar tausend mehr. Also los!

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