John Grant „Love Is Magic“ / Review

Love Is Magic lässt das Grandiose der Vorgängeralben im Hintergrund verweilen. Ob das John Grants Tracks dabei hilft, besser zu zünden, ist fraglich.

„You forgot your medication / And Sade is playing on the radio“. Was für eine Zeile. Unmissverständlich fängt sie eine Grundstimmung ein, die durch eine wie zufällig eingestreute Referenz an Farbe gewinnt. Die Unaufgeregtheit Sades als Soundtrack zur drohenden Grenzerfahrung – die Gegensätzlichkeit von Innenleben und Umwelt wirft einen direkt in die Situation. Jemand sitzt auf dem Sofa und realisiert: Die nächsten Stunden könnten hart werden. Und dann tönt „Smooth Operator“ aus dem Radio. Are you fucking kidding me?

John Grant bringt die Miseren in seinen Songs gerne mit den Mitteln des Humors auf den Punkt. „I wanted to change the world“, sang der ehemalige The-Czars-Kopf etwa vor acht Jahren im Titeltrack seines Solo-Debüts Queen Of Denmark zu herzzerreißenden Klavierakkorden. „But I couldn’t even change my underwear“. Auch die eingangs genannte Zeile entstammt einem Titelstück, dem von Grants vierter Solo-Platte nämlich. Titel: Love Is Magic, und das, wie der Refrain festhält: „Whether you like it or not“.

„Are you fucking kidding me?“

Ein Album nach einem Song zu benennen, hat immer ein bisschen etwas von einer Ansage:„Und hier ist das Manifest!“ Doch leider wünscht man sich, der Rest von Love Is Magic hätte sich mehr an seinem Titeltrack orientiert, denn seine Raffinesse geht den meisten anderen Stücken ab. Der Humor in Songs wie der größtenteils gesprochenen Hasstirade „Diet Gum“ wirkt verloren, weil er ohne Gegenpol dasteht. Das gilt auch für die Anti-Trump-Nummer „Smug Cunt“, deren Polemik leider ähnlich kindisch ist wie das Verhalten des US-Präsidenten: „You’re still acting like a little boy / Masturbating with expensive toys“. Dazu ertönt Electro-Pop. Na ja.

Der Synthesizer-gepflasterte Weg des letzten Albums Grey Tickles, Black Pressure wird auf Love Is Magic zwar fortgeführt, führt aber immer weiter weg von den infektiösen Glam-Balladen von Queen Of Denmark. Analoge Instrumente gibt es wenige, dafür hüpfende Basslines, die sich nicht ernst zu nehmen scheinen. Doch Grants Songs zündeten besser, als er die Erbärmlichkeit des Seins mit einer Art Witz konterkarierte, die sich im Grandiosen versteckt hielt. Und nicht versuchte, wild durch die Gegend zu springen.

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