John Darnielle – »Wolf In White Van« / Review

Am 13. Mai erscheint John Darnielles rückwärts abgespielte Heavy-Metal-Platte – also sein erster Roman – in deutscher Sprache. Wir haben ihn bereits in SPEX N° 357 besprochen.

John Darnielle ist der Songwriter und Sänger der Mountain Goats, und jetzt hat er ein Buch geschrieben. Das Buch heißt Wolf In White Van und liest sich wie eine rückwärts abgespielte Heavy-Metal-Platte. Diese Heavy-Metal-Platte spielt sich beinahe ausschließlich im Kopf von Sean Phillips ab, einem guten Jungen mit dunklen Gedanken aus Southern California, dessen Gesicht bei einem vermeintlichen Unfall unvorstellbar schlimm entstellt wurde. Auf Grund dieses vermeintlichen Unfalls, der ein sogenanntes normales Leben für immer unmöglich macht, flüchtet Sean in Fantasiewelten, vielleicht, um die Füße wieder auf den Boden der Realität zu bekommen, vielleicht, um gerade das zu vermeiden, schwer zu sagen. Während seine Eltern jedenfalls versuchen, dem Schicksalsschlag einen Sinn abzuringen, erfindet Sean das text- und rundenbasierte Rollenspiel Trace Italian und steigt damit immer tiefer hinab in die Katakomben seiner Vorstellungskraft.

Es gibt keine Erklärungen für das,
was Menschen tun,
es gibt nur Impulse und Konsequenzen.

Darnielles Sprache kommt in Wolf In White Van ohne erkennbare Gefühlsregungen aus, er beschwört nichts herauf, kommentiert nichts, dramatisiert nichts, er schreibt es einfach auf. Das passt zur Prämisse seines Romans, dass Dinge eben passieren, gute und schreckliche, logische und unbegreifliche. Es gibt keine Erklärungen für das, was Menschen tun, es gibt nur Impulse und Konsequenzen. Man muss das so schlucken, bis Wolf In White Van am Ende seiner Seiten zum Anfang der Geschichte kommt, von Darnielle beinahe minutenprotokollartig rekonstruiert. Die Einblicke in die Funktionsweise des menschlichen Verstands, die er damit offenlegt, sind so ernüchternd wie erleuchtend. Man weiß danach immer noch nicht, wie Sean Philipps tickt, aber vielleicht versteht man seine eigenen dunklen Gedanken ein klein wenig besser.

Diese Besprechung ist wie viele weitere Musik-, Film- und Literaturreviews in der Printausgabe SPEX N° 357 erschienen, die hier versandkostenfrei als Back Issue bestellt werden kann.

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