JFR Moon „Moony“ / Review

Sind JFR Moon beim Überwintern auf der Couch die Achtziger über den Weg gelaufen? Für Moony hat er die Folkgitarre in die Ecke gestellt und den Synthesizer rausgekramt.

Langeweile ist ein schützenswertes Gut. Sie ist kreativitätsfördernd und wird von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt. Slacker sind Leute, die Langeweile zelebrieren, die gerne mal in den Tag hineinleben und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Übersetzt heißt das dazugehörige Adjektiv ja auch so viel wie lustlos oder schlapp. Als der Fernsehsender Arte vergangenes Jahr Stuttgarts Musikszene porträtierte, lautete die Ansage zu JFR Moon schlicht: „Slackerpop vom Feinsten“. Das hat den schnauzbärtigen Bassisten von Human Abfall wohl angespornt, folglich schien er die Sache mit dem Slackertum noch ernster zu nehmen. Sein Ende 2016 erschienenes Debüt trug etwa den Sonnenbad-Titel Honey I Can’t Concentrate I’m Collecting Minerals On My Body und war voller wunderbarer Psych-Folk-Songs, die der Einfachheit halber schlicht nach dem Albumtitel benannt wurden.

Langeweile ist ein schützenswertes Gut.

Dann muss etwas passiert sein. Vielleicht sind ihm beim Überwintern auf der Couch die Achtziger über den Weg gelaufen, etwa in Form des ähnlich schnauzbärtigen Privatdetektivs Thomas Magnum. Jedenfalls hat JFR für den Nachfolger Moony die Folkgitarre in die Ecke gestellt und den Synthesizer rausgekramt. Doch damit nicht genug: Anscheinend war dem Künstler so bumslangweilig, dass er anfing, sich unter die Leute zu mischen. Statt wie bisher mit der Gitarre durch die Natur oder mit dem Smartphone durch sein Zimmer, streift er im Video zu „Swim“ durchs Freibad. Schaut alten Männern beim Kartenspielen zu, planscht und hängt mit einer Portion Pommes auf dem Badetuch. Das freut die Leute.

Vor allem die Stuttgarter Kollegen, die ihm bei der Albumproduktion ein wenig Arbeit abnahmen. Mit von der Partie sind unter anderem Kevin Kuhn von Die Nerven, Dennis Melster von All Diese Gewalt sowie die beiden umtriebigen Knöpfchendreher Thomas Zehnle und Ralv Milberg. Dem Beipackzettel zufolge hat Moony einen „Vibe, wie betrunken im Strandbuggy zu cruisen“. Dazwischen klingt das Album dann wie Sonnstrahlen auf Acid oder ein bekiffter Laberflash im Studio. Oder es gibt sich einfach der Langeweile hin, so wie das echte Slacker nun mal machen.

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