Jets Overhead

Letztes Jahr, auf den Konzerten der Popkomm war dieses kanadische Quintett eine der erfreulicheren Entdeckungen. Sie wussten, was sie taten und hatten Spaß daran, vor nur fünf Handvoll Verirrten ihren folkig angehauchten, melancholischen Trance Rock immer wieder in psychedelische, überbordende Feedbackgewitter hinüberzuschaffen. Sie sorgten mit Breaks und Bridges für mehr Abwechslung, als man vermuten würde – gerade angesichts ihres Midtempodiktats, an dem sie allerdings kleben wie ein T-Shirt auf einer regenfeuchten Holzfällerbrust. Ihre Eskapaden ließen an Yo La Tengo denken, ihr erstes Album klingt allerdings eher wie Fleetwood Mac auf Baldrian. Die hypnotische Qualität ihrer repetierenden Outros ist auf den letzten Metern von »Seems So Far« zu ahnen, bleibt aber Verzierung. Darüber die weichen Vocals von Adam Kittredge, so hoch, dass Antonia Freybe-Smith mit ihrem genauso weichen Alt fast immer drunter liegt. Wenn Adam dann doch die Stimme eher im Bauch statt im Kopf sucht (»No More Nothing«) klingt das wie ein Duett von Eddie Vedder und Linda Ronstadt – fast zu harmonisch. Das antielegische »Killing Time« treibt mit bombastisch viel Hall zum Refrain: nach einer Minute hat der Song bereits sämtliche Ideen verbraucht, dabei geht es so noch fast zwei Minuten weiter. Die vorhandenen Qualitäten noch wirkungsvoll zu arrangieren, daran mangelt es den Jets noch ein wenig. Sie wirken zu berechenbar, ihr Gespür fürs Atmosphärische verliert sich in eine doch sehr einheitliche Glätte, produziert von 54-40-Haudegen John Osborne. Echte Überrachungen haben Jets Overhead vorerst für ihre Homepage reserviert. Dort steht das komplette neue Album als MP3 zum freien Download bereit, Bezahlung ist erwünscht aber freiwillig. Respekt.

LABEL: Sweet Nothing Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 25.05.2007

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