Jeri-Jeris Sabar Session

Mitglieder Jeri-Jeri im Monarch in Berlin

Mitglieder Jeri-Jeri im Monarch in Berlin   FOTOS: Robin Hinsch

Vor wenigen Tagen fand sich die senegalesische Gruppe Jeri-Jeri mit anderen Schlagzeuger in Berlin für einen Abend in höheren Ebenen zusammen. Eine Rückblende.

Irgendjemand sagte mir mal, der Monarch in Berlin wäre einer der Schuppen, den man nach durchzechten Techno-Nächten auf der Suche nach Liebe verschiedenster Form besucht.

An diesem Montag Abend gibt es eine spontane Percussion-Session mit Jeri-Jeri und drei Schlagzeugern. Eine unkaschierte Performance jener westafrikanischen Basis einer Kunstform, die im Senegal selbst sowohl Handwerk als auch unprätentiöser und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Mit Musik wird Geschichte erzählt,  mithilfe von Entertainment eine konkret historische Aufgabe erfüllt. Selbstdarstellung verschwindet hinter dem Auftrag gesellschaftlicher Animation und der Kreation eines kulturellen Selbstbilds.

Zwei Stunden vor Beginn lernen die Mitglieder der senegalesischen Griot-Familie aus Kaolack  und die Drummer sich kennen. Lässig wird gecheckt, was man zusammen spielen kann. Bakane Seck, der Kommunikator der Familie spricht eigentlich ganz gut Englisch. Die anderen sprechen Französisch oder Wolof. Man verständigt sich viel über Gestik, Mimik und musikalisches Verständnis.

Zwangsläufig wird es ein essentieller Abend. Kein Schnickschnack, kein Konzept. Es wird gezeigt was man kann, allerdings streckenweise vor allem das, was ein deutsches Publikum zum Tanzen animieren könnte. Die komplexen verschiedenen senegalesischen Rhythmen sind teilweise eingedampft. Man kann immer wieder mal im Takt mitklatschen, auch ohne Jazz-Schlagzeug studiert zu haben. Es wird gespielt und unterhalten. Frage, Antwort. Ohrenbetäubend laut und spannungsvoll leise.

Jeri-Jeri spielen entspannt und freuen sich über einen vollen Monarch. Die Virtuosität der zwei Schlagzeuger steht zwar hinter selbiger der eingespielten Familie zurück, dennoch macht das Spektakel Spaß. Gerade weil man zu sehen bekommt, was es heißt zu interagieren, spontan zu sein, zu improvisieren. Die Session ist Aktion. Und plötzlich zeigen sich im Publikum ungeahnte tänzerische Fähigkeiten. Einige haben sich sichtlich mit den Tänzen Westafrikas beschäftigt, andere fangen an sich in esoterischer Ekstase auf dem Boden zu winden oder scheinen die Zuckungen eines Schamanen in Trance zu imitieren. Youtube Titel: German people dancing to african drums.

Die Stimmung steigt, das Publikum beteiligt sich mehr oder weniger ästhetisch. Einer setzt sich zeitweise ans Schlagzeug. Ein anderer, spontan hinzu gestoßener Schlagzeuger schlägt auf Metall und Becken herum ohne im Weiteren auf den Rest des Ensembles zu achten. Ebenso ekstatisch bewegt er sich vor und zurück und verfällt in eine egoman leidenschaftliche Liebe zum Rhythmus. Klassische Form der Selbstdarstellung. Trotzdem eher lustig als ärgerlich.  Ein scheinbar Bekannter des Ensembles versucht dieses zu dirigieren, was bei einer Improvisation natürlich auch etwas seltsam wirkt. Es ist ein Versuch musikalischer Verbindung auf höheren Ebenen.

Bemerkenswert ist in jedem Fall das Interesse für eine Musik, deren Anspruch die wenigsten wirklich verstehen, sich jedoch von ihrer energetischen Wirkung mitreißen lassen. Die effektive Zusammenarbeit der Gruppe mit dem Berliner Produzenten Mark Ernestus und der Bookingagentur Planet Rock trägt Früchte und macht eine Musik salonfähig, die sich seit den 80er Jahren bis heute nur im Bereich der typisch als »exotisch« stigmatisierten Tanz- und Trommelworkshops.

Sabar Session im Monarch

Jeri-Jeri in Berlin

Komplexe senegalesische Rhythmen

Ein Versuch musikalischer Verbindung auf höheren Ebenen

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