Jenny Hval „Paradise Rot“ / Review

Eigentlich ist Paradise Rot ein Bilderbuch. In ihrem Debütroman greift Jenny Hval die Themen auf, die sie auch als Musikerin interessieren: queere Erotik, Gewalt und Politik, Gruselwesen. Das schon seit 2009 auf Norwegisch erhältliche Buch ist jetzt in englischer Übersetzung bei Verso erschienen.  

Im engeren Sinne ist Paradise Rot, der nach neun Jahren ins Englische übersetzte Debütroman von Jenny Hval, eine queere Coming-Of-Age Geschichte mit Einschlägen in Horror und Fantasy. Im weitesten Sinne aber ist es ein Bilderbuch: Um zu erzählen, wie Djåoanna, kurz Jo, während eines Austauschstudiums ihre Sexualität entdeckt, gebraucht Hval eine Reihe stetig wiederkehrender Bilder, die vor allem die Beziehung zu Carral fassen und auch mystifizieren sollen.

Carral ist Jos Mitbewohnerin, Lustobjekt und Teil ihrer Selbst, beginnt sie doch nach kurzer Zeit zu schmecken, zu spüren, und sogar zu denken wie sie. Zunächst scheint das dem Umfeld geschuldet, schließlich leben die jungen Frauen in einer alten Brauerei, die nur notdürftig mit Pappwänden zum Wohnraum umgebaut wurde. Nach seichten Versuchen, zumindest ein wenig Privatsphäre zu behalten, gibt sich Jo gänzlich der Beziehung hin. Anziehung und Manipulation steigen. Die Wohnung wird zum Biotop, das sich die Frauen mit keimenden Pilzen und scheinbar nie vergehen wollenden Äpfeln teilen – weil Carral das so will. Sie ist die zur Sünde verleitende, gefallene Eva, ein Wesen, das zu lieben Gefahr birgt. Wie die Hexen aus Charmed, der einzigen TV-Show, die Carral sieht, oder der Vampir in Moonlight Lips, dem einzigen Buch, das sie trotz ehemaligen Literaturstudiums und vergehender Jahreszeiten nicht fertigbekommt.

Klar wird: Hval bemüht sich, den Leser_innen illustrativ zu vermitteln, dass sich die Handlung in überempirischen Sphären bewegt. Doch drängt sich die Frage auf, ob es dafür tatsächlich dieser immergleichen und ohnehin bekannten, weil schon oft durchexerzierten Motive bedarf.

Diese Buchkritik ist auch in SPEX No. 383 erschienen. Das Heft ist versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.  

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