Jennifer Gentle

Nur eingefleischte Pink Floyd-Fans kann man mit diesem Bandnamen wohl nicht hinters Licht führen. Nein, Jennifer Gentle ist nicht etwa eine adrette Singer-/Songwriterin mit Westerngitarre, wie man leicht vermuten könnte. Dahinter verbirgt sich eine Band aus Padua, die ihren Bandnamen aus dem Song »Lucifer Sam« von Pink Floyds »The Piper At The Gates Of Dawn« von 1967 entnommen hat. Darin heißt es: »Ginger, ginger, Jennifer Gentle you´re a witch«. Dieses psychedelische Meisterwerk wurde für seinen genialen Schöpfer Syd Barrett zum neverending LSD-Trip und katapultierte ihn aus der Band.
    Dementsprechend psychedelisch geht es auch in »Midnight Room«, dem mittlerweile vierten Studioalbum der Band gewordenen Jennifer Gentle zu Werke. Das ist bereits in der hypnotisch-verstörenden Anfangsmelodie von »Twin Ghosts«, dem Eingangsstück, abzusehen. Sänger und Gitarrist Marco Fasolo, der sich unter anderem auch eine Zeit lang als Eisverkäufer in Berlin durchschlug, hat die Platte diesmal völlig im Alleingang aufgenommen, nachdem er sich von seinem langjährigen Mitstreiter, dem Drummer Alessio Gastaldello, getrennt hat. Die neuen Stück sind dabei in einem Haus in der norditalienischen Abgeschiedenheit entstanden, dessen Vorbesitzer sich angeblich erschossen haben soll. Das mag seine Spuren hinterlassen haben: Der Spuk im Kopf nimmt konkrete Gestalt an, wenn Marco Fasolo etwa im Refrain zu »Telephone Ringing« mit seiner hohen Helium-Stimme wie eine Katze zu fauchen beginnt oder in »Granny’s House« ein Hackbrett malträtiert, während langsam eine sakrale Gesangslinie aus dem Off heranrückt. So muss sich Schizophrenie anhören. Brian Wilsons »Smile« lässt grüßen. Auch insofern, als es nicht durch und durch düster klingt, hie und da geht es durchaus beschwingt-fröhlich zur Sache, wie etwa in »Take my Hand«.
    Bereits das Vorgängeralbum »Valende« von 2005, die erste Veröffentlichung einer italienischen Band auf Sub Pop, war ein Klangexperiment zwischen Small Faces, 13th Floor Elevators, Kurt Weill und Disneyland. Doch wird diesmal auf jegliches Geschrammel zu Gunsten eines sehr präzisen, stark verdichteten Arrangements verzichtet. Wer dafür Pate gestanden hat, liegt auf der Hand: Parallel zu den Aufnahmen von »Midnight Room« nahm Jennifer Gentle einen Soundtrack für eine Dokumentation über Produzenten-Legende Joe Meek, den Erfinder des berühmten »R.G.M.« Sounds, auf.

LABEL: Sub Pop

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 22.06.2007

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