Jeans Team sammelt für Obdachlose

Zwei Themen beherrschten die Medien in den vergangenen Tagen intensiv: Die dramatische Berichterstattung zu dem noch dramatischeren Tiefdruckgebiet »Daisy«, sowie die Meldungen zu zahlreichen erfrorenen Obdachlosen in Deutschland. Beide Ereignisse gipfelten gestern in einem fies-menschelnden Beitrag des RTL-Magazins »Extra«, in welchem drei Jugendliche Obdachlose in Köln mit der Kamera begleitet wurden. Tenor des Beitrags: Sie haben’s nicht leicht in ihrem selbstgewählten gesellschaftlichen Exil im Brückentunnel, sie möchten sich dabei aber auch nicht helfen lassen – wir haben es versucht. Konkret hilfreicher und gleichzeitig zwiespältiger ist die Aktion, die – um nun den Bogen zu spannen – die Gruppe Jeans Team vor einigen Tagen initiiert hat: Eintausend Bomberjacken wollen gespendet, eingesammelt und kostenlos an Obdachlose verteilt werden – inklusive Band-Branding auf den Winterjacken.

    »Anfang Dezember 2009 hatten wir kurzfristig die Möglichkeit, diese Aktion durch einen Werbedeal zu starten«, erläuterte uns Jeans-Team-Mitgründer Franz Schütte die »1000 Bomberjäckchen« betitelte Kampagne. »Da ging es um kleine Videoclips im Internet, in denen sich Künstler bzw. Musiker etwas wünschen konnten – diese wurden dann erfüllt und gefilmt. Wir hatten ca. zwei Stunden Zeit, uns etwas zu überlegen – und da haben wir uns eben keine Fußmassage oder sowas gewünscht, sondern Bomberjacken, die wir an Obdachlose verteilen können.«

    Über eine eigene Homepage werden nun besonders Textil- aber auch Geldspenden zur weiteren Durchführung der Verteilaktion gesammelt, die Jacken werden im Rahmen dessen mit dem Logo des Jeans Teams bzw. dem Stencil »Donated by Jeans Team« versehen. Dass Obdachlose so unfreiwillig bzw. zwangsläufig zur Werbefläche einer Band werden, muss vor einer Spende kritisch betrachtet werden. Andererseits helfe das Branding auch der Außenwirkung der Aktion, so Schütte: »Der Name ›Jeans Team‹ ist die bekannteste Marke, auf die wir zurückgreifen können. Da dies teilweise eine Spendenaktion ist, müssen wir auch auf die Werbewirksamkeit achten. Es gibt eben mehr Leute, die beim Namen ›Jeans Team‹ aufhorchen als bei einem neuen und bisher unbekannten Namen. Ich glaube, dass sich dieser Schritt schon jetzt geloht hat. Würde sonst die Spex darüber berichten? Vielleicht ja. Aber vielleicht eben auch nicht.«

    Die Jacken sollen zudem nicht als modisches Statement nach klassischen Merchandise-Regeln begriffen werden: »Wir finden die Jacken klasse. Sie sind warm, extrem haltbar und relativ billig. Sie verkörpern für uns so etwas wie das Gegenteil von Mode. Wir verteilen die Jacken dort, wo möglichst viele Obdachlose vorbeikommen: Da wären beispielsweise Suppenküchen, Ausgabestellen von Straßenzeitungen, Notunterkünfte. Bei der Verteilung zählen wir auch auf die Organisatoren vor Ort. Die Bedürftigsten sollen möglichst bevorzugt werden, aber dafür muss man die Leute kennen.«

    Wen die »1000 Bomberjäckchen« bisher überzeugen konnten, der darf nun einen weiteren Schritt machen: »Wir nehmen gerne Bomberjacken an und verteilen sie weiter. Spendet! Schreibt was! Stellt Kontakte her!« Alle weiteren Informationen zu Kontaktaufnahme, Bankverbindung und dem Verlauf der Aktion finden sich auf www.Bomberjaeckchen.org. Und wem dieser ebenfalls schlimm menschelnde Beitrag der Spex zum Thema oder das Engagement von Jeans Team nun zuviel des Guten waren, der darf gerne den eigenen Kleiderschrank nach Straßen- bzw. Wintertauglichem Equipment absuchen und dieses zu den Sammelstellen der Hilfsorganisationen bringen, oder aber beim nächsten Spaziergang ein, zwei Euro in einen Pappbecher stecken. Es bleibt kalt in Deutschland.


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Dorfdisco Berlin und Rote Raupe

 

Alle Fotos: © Jeans Team

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