Jeans Team Musik Von Oben

Mit Attributen wird hier nicht gegeizt. Funkelnd, mental, instant, wie neue Fenster, flimmernd, soft, knallhart, stampfend. Musik? Wie? Von oben. Und? Dada im gleichen Atemzug, klar – Dada-Pop, der Witz war überfällig. Jungs? Mal langsam. Sie lassen sich fotografieren und sehen dabei ein bisschen aus wie Zoot Woman auf Landpartie. Ein wenig durch den Wind, charmant dabei und bodenständig dandyesk. Zehn neue Lieder hagelt es also. Und die (Infoblatt-)vorgeschriebene Deutungsfülle mal verwerfend, ist schön zu sehen und zu hören, wie melodieverliebt und -sicher die Herren in ihren Sonntagshosen daherspazieren.
    Die quirlige Grenzdebilität, mit der die diversen Klanguniversen auf »Ding Dong« mitunter aneinander schepperten (was ja nicht mal schlecht war), klingelt aktuell weniger in den Ohren. Hier ist vieles weich, harmonisch, federleicht. Neben der schönen Utopie, »Berlin am Meer« zu träumen – es finden sich wohl kaum treffendere Worte, was es bräuchte, um der guten, ollen, aufgehübschten, maroden, bitterarmen und hoffnungsvollen Stadt den definitiven Standortfaktor Nummer eins zu sichern – ist das nicht das einzige Kleinod der etwas knappen 44 Minuten Gesamtspiellänge. Der unangefochtene Hit dürfte die Hymne all derer werden, die die Stadtflucht nur träumen: »Oh Bauer«. Ein leger perlendes Elektronik-Pop-Konstrukt, das munter auf die Eins drischt, beherbergt hier das hübsche Lied der Pragmatik, wie sie kaum ein Zen-Meister schöner formulieren könnte: »Wenn du aufstehst, musst du wissen, was das Tier frisst, wenn du fegst, musst du dir vorstellen können, wo der Dreck liegt, im Rhythmus von Sonne und Regen bestellst du die Felder deines Lebens.« Wer will da noch was von Referenzen, Zitaten und der Positionierung im Bezugsfeld Pop wissen? Also.

LABEL: Louisville Records

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 10.01.2005

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