Jay Haze

Jay Haze gehört zu den eigenwilligsten und eigenständigsten Musikern der Clubszene. Wie Ricardo Villalobos oder Jacek Sienkiewicz ist er ein Autoren-Producer: in zahllosen Platten hat er eine sehr persönliche Perspektive auf die Clubmusik entwickelt. Als besonderes Merkmal seiner Diskografie sticht seine stilistische Vielfalt hervor: Mit minimalem Techno, verspulten Arte-Povera-House, dem Soul der sechziger Jahre, Hiphop und Dub-Reggae verfolgt er eine ganze Reihe stilistische Fäden. Es erstaunt immer wieder, wie weitreichende Soundentwürfe er in jedem dieser Richtungen entwickelt hat. Meistens haben seine Tracks und Songs etwas brüchiges, beschädigtes, trotzdem ist ihr gewundener Energiestrom nicht aufzuhalten.

    Haze’ zweites Album unter seinem eigenen Namen ist ein Opus Magnum, das alle stilistischen Fäden weiterspinnt und dichter miteinander verwebt. Es erscheint in drei Formen: auf einer Doppel-CD ist eine Instrumental- und eine Vocal-Version enthalten. Parallel erscheint eine auf die Bedürfnisse der DJs zugeschnittene Vinyl-Version. Mit den derben, rumpelnden Bassdrums und den holprigen Grooves knüpfte sie an die Rohheit der Clubmusik der Frühzeit an, die man heute nur noch selten hört. Auf dem Instrumentalalbum der CD-Version entwickelt Haze seine Breakbeat-Philosophie zwischen Dubreggae, Hiphop, Click-House und jetzt auch Dubstep weiter. Auf der ersten CD setzt er sich mit Soul auseinander. Während sich Jamie Lidell viel zu sehr den Soulhelden der sechziger und siebziger Jahre annähert, entwickelt Haze einen eigenständigen, verschrobenen Sound. Es ist eine Jam zwischen Lied-Fragmenten und Rap-Phrasen, die sich nie ganz zum Song fügt. Haze adaptiert keine vergangenen Songformen, sondern entwickelt seinen eigenen Kosmos.

    Textlich schöpft er aus einem besonderen Erfahrungsraum: Als Jugendlicher verließ er seine Familie und reiste jahrelang durch die Vereinigten Staaten. Die Songs erforschen, wie in gesellschaftlichen Randzonen und existenziellen Extremsituationen Liebe möglich ist. Diese Randständigkeit wird von einem entkoppelten Ort aus erforscht: »Love & Beyond« ist Kiffermusik im besten Sinn, die sich in ein eigenes Universum hereingroovt. Gerade aus textuellen Kunstschlüssen und zotigem Humor entstehen die packendsten Songs.

LABEL: Word And Sound

VERTRIEB: RTD / Kompakt

VÖ: 23.05.2008

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