Jay Daniel „Broken Knowz“ / Review

Der Nachwuchsproduzent Jay Daniel beweist auf seinem Debütalbum ein beindruckendes Gespür für Rhythmik und Klangtexturen.

Menschlicher möchte Jay Daniel auf seinem ersten Longplayer klingen. Der blutjunge Produzent, Boiler-Room-Liebling und Spross der Soulsängerin Naomi Daniel hatte sich in den vergangenen Jahren bereits mit mutablen Sets von Funk- und Disco-getriebenem House nebst müheloser Ausflüge in härtere Acid- und Techno-Gefilde einen Ruf als Nachwuchshoffnung der Detroiter Szene erarbeitet. Seine aufstrebende Karriere befeuerte er mit den EPs Scorpio Rising auf Theo Parrishs Sound Signatur Records und Karmatic Equations auf Weggefährte Kyle Halls Label Wild Oats sowie der Funineven-Kollaboration Abyss. Sein jüngster Coup: die Gründung des eigenen Plattenlabels Watusi High samt Eigenveröffentlichung School Dance.

Schade, dass sich das Menschliche gegen ende der Platte wieder ein wenig verliert.

Die Zwänge der Drum-Programmierung hätten ihn gelangweilt, plaudert die Promo-Beilage, woraufhin sich Daniel in den Keller seiner Mutter zurückgezogen und mit Schlagzeug und Multitrack-Mixer eine warmblütigere Grundlage für seine Debüt-LP eingespielt habe. Gleich der erste Track bestätigt das – und markiert eine unmittelbar spürbare Abgrenzung zu Daniels Frühwerk. Trockene, räumliche Handclaps gesellen sich zu einer tribalesk anmutenden Rassel, während der Bass wie aus der Nachbarwohnung pulsiert. Diese rhythmische Architektur bleibt auch im weiteren Verlauf Dreh- und Angelpunkt von Broken Knowz, ein spürbar lebendiges Gerüst, das er mit Versatzstücken aus Keyboards und Synthesizern bekleidet.

So klingen die Stücke auf Broken Knowz zunächst auch mehr nach entspannter, aber intelligenter Loungemusik für die Afterhour denn nach Ekstase der Tanzfläche. Waren seine bisherigen EPs von hypnotisch zirkulierenden Synthesizern und scharf brechenden Beats geprägt, erforscht Daniel auf seinem Debütalbum den souligen, jazzigen Bodensatz seiner Produktionen. Schade nur, dass sich die Intensität von Tracks wie „Paradise of Valley“ gegen Ende verläuft und sich das Menschliche wieder ein wenig verliert. Dennoch legt Jay Daniel mit Broken Knowz ein beindruckendes Gespür für Rhythmik und Klangtexturen an den Tag und zeigt, fast als wäre es eine Nebensächlichkeit, die wahre Bandbreite seiner musikalischen Sprache.

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