Jason & Theodor Life Under Palmtrees

Vielschichtig, manchmal etwas trübe: Die Newcomer Jason & Theodor geben sich auf ihrem Debüt Life Under Palmtrees alle Mühe, den imperfekten Pop-Song zu kreieren

Jason & Theodor, zwei in Berlin lebende Musikerinnen, wissen, was sie können. Kennengelernt haben sie sich, so heißt es, in einem Hochschulorchester, beide sind musikalisch klassisch ausgebildet. Das Hörvergnügen, das einem nun ihr Debütalbum Life Under Palmtrees bereitet, ist vor allem einer großen Experimentierfreude mit Synthesizern, Samples, Geräuschen und Echogeräten geschuldet. Die meisten Songs beginnen mit einer Spur etwa einer gezupften Gitarrenlinie, einem ratternden Beat oder träge melancholischen Synthesizern, die nach und nach mit immer mehr Elementen angereichert werden. Im Hintergrund gesellen sich zu einem nervös synkopischen Schlagzeug mal ein paar zwitschernde Vögel, dann wieder Glockenklänge, die sich im Wind verlieren.

Gitarren rasseln, Falltüren werden geöffnet, Klanghölzer gestapelt, Flöten pfeifen zart, es schnattert, ein Klavier wird angeschlagen, während irgendetwas klingt, als würde jemand leise auf Küchentöpfe klopfen. Sehr organisch wirkt das alles, manche Samples erinnern an Walgesänge, die behutsam von blechernem Scheppern kaschiert werden. Dazu rieselt Deffners und Leesings Gesang in mehreren Schichten durch die Lieder, »turning words into flowers«, wie es in »Dream« heißt. Tracks wie »I Thought I« erinnern daran, warum die gegensätzliche Kombination aus stotternden Beats und ätherischem Gesang so reizvoll ist.

All diese Elemente kondensieren auf Life Under Palmtrees zu einem sachte wabernden Soundnebel, vielschichtig, manchmal auch etwas trübe. Man kann sich ganz auf dieses atmosphärische Musikspiel einlassen, man könnte mitunter allerdings auch einzelne Glanzlichter vermissen, die den Dunst durchbrechen. Manche Lieder wirken wie der Epilog zu etwas, das auf dem Album leider gar nicht stattgefunden hat. Doch vermutlich kokettieren Deffner und Leesing gerade damit und wollen die Songs von ihren Rändern aus begreifen. Statt den perfekten Popsong zu schreiben, parodieren sie ihn, etwa mit dem Titelstück »Life Under Palmtrees«: Zu tropisch-beschwingten Synthesizern erklingen die immergleichen Zeilen: »Life under palmtrees / That’s what I what I what I want.« Die süße, kleine Popnummer, die scheinbar zunächst antizipiert wird, läuft mit dieser endlosen Wiederholung ins Leere. Hier wollen Lieder nicht ins Hooklines münden, sondern fransen lieber aus. Es liegt in der Hand und im Ohr der Hörer, das Jason & Theodor entweder als Stärke oder Schwäche auszulegen.

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