Janelle Monáe & Band bei einem Konzert in Freiburg, 2012   FOTO: Thomas Böcker (CC BY-SA 2.0)

Lasset euch überzeugen! Kürzlich nahm Janelle Monáe The Electric Lady auf Tour. Eine Konzertkritik.

Prince, Stevie Wonder, Erykah Badu. Alles Musiker, deren internationaler Erfolg ihre künstlerischen Ideen nicht ausgelöscht hat. Menschen die viel Platz einnehmen, charismatische Ausnahmemusiker.

Sie alle haben mit Janelle Monáe gearbeitet. Warum? Weil sie sich einer Aufgabe stellt, der sich diese Musiker seit Jahrzehnten stellen. Sie verlangt eine Reflexion der »Authentizität« schwarzer Musik. Sie verlangt Reflexion und Veränderung bezüglich Kategorisierung und Bevormundung. Monáe hat sichtlich genug vom Dogma der intuitiven, emotionalen und »natural born soulful black Musicians«.

Die Botschaft dieser Künstlerin und dieses Konzertes ist unmissverständlich: Sie möchte ihr Werk als musikgeschichtlich prägenden Teil einer Globalkultur verstanden wissen, nicht als ein gesellschaftliches Phänomen aus dem Ghetto, aus sozialer Ungerechtigkeit oder dem Schmerz der geknechteten Bluessänger die von trügerischen weißen Managern aus dem ebenso trügerischen Weiß der Baumwollplantagen dankend und bückelnd in den Musikhimmel gehoben wurden (Muddy Waters etc.). Janelle Monáe verlangt ein Bewusstsein für die afroamerikanische Kultur als eine der international einflussreichsten Kulturen, die vielerorts dennoch immer noch für obszön, ungebildet und selbstverliebt gehalten wird. R&B, Soulmusic, Hip Hop.

»First discovered, then exploited, traded, hated, exotified, loved for how big it became by the task to define itself in the frame of world white culture.«

Monae tritt im Mojo Club Hamburg auf. Der Ort ist schick, sauber. Es wird nicht geraucht und kaum getrunken. Die Jacken kommen an die Garderobe und der obere Zuschauerrang ist für die Label-Angestellten und deren Anhang reserviert. Es gibt eine Show zu sehen! Ein Varieté, eine durchweg konzeptionierte Performance. Lady Monáe ist untouchable. Keine Verletzlichkeit, keine Intimitäten. Totale Kontrolle und überwältigender Ausdruck. Die amerikanische Professionalität einer ausgebildeten Musicaltänzerin.

Monáe trägt Anzughose, weißes Hemd, Hosenträger und Rockabilly-Frisur. Die komplette Band ist schwarz-weiß gekleidet und sieht ausgesprochen gut aus. Zwischen all den Miezekatzen, die sich in das internationale Image afroamerikanischer R&B-Stars einreihen, dreht Monáe das Prinzip der Authentizität um. Verzerrte Gitarren. Stücke die jeden Rock ‘n’ Roll liebenden, Bier trinkenden Redneck zum Steppen bringen können. Sie sprengt die Grenzen und erzeugt positive Verwunderung.

Allein der Beginn des Konzertes ist Perfektion. Ab der Hälfte des Sets allerdings, fällt Monáe aus dem Rahmen. Bewusst, unbewusst, egal. Sie klettert auf die Boxen, lässt sich auf den Schultern ihres Keyboarders durch die Menge tragen. Das Publikum ist ihr mit einem Lächeln auf den Lippen hörig. Sie hebt die Hand, schaut mit erhobenem Kinn in die Runde und lässt sie langsam sinken während der Schlagzeuger die Spannung hält. All die hübschen, schicken Leute hocken sich anstandslos auf den Boden. Monáe schleicht, ebenfalls in der Hocke, durchs Publikum und wispert vor sich hin.

Natürlich kommt der Ausbruch.

Kollektive Aktion löst die steifen Gliedmaßen. Jetzt wird nicht mehr gestaunt sondern gefeiert. Monáe adressiert ihre Stimme fordernd an die oberen Ränge. Einige verstecken sich im Schatten des VIP-Bereichs, andere klatschen zustimmend und mit hochrotem Kopf. Das Konzert nimmt ein furioses Ende. Janelle Monáes Überzeugungskraft entspringt ihrer großen, nunja, Überzeugung. Die Zugaben sind Standard und die Band feiert Handtücher und Drumsticks werfend ein sehenswertes Konzert.