Jamie Lidell Jim

»A little bit more / with you it’s always a little bit more«, sang Jamie Lidell auf seinem Erfolgsalbum »Multiply«, das ihn als Soul- und Funksänger etablierte. Zuvor hatte man ihn in einer experimentellen Techno-Szene wahrgenommen: an der Seite Cristian Vogels bei Super_Collider, für deren elektronischen Space-Funk man erst mal bereit werden musste; dann als hoch talentierten Solo-Vokalisten, der bei Konzerten sich selbst sampelte und nach Art einer Human Beatbox Lieder nicht bloß abrief, sondern vor seinen staunenden Zuhörern erst schuf. Die Hook in »A Little Bit More« erinnerte noch daran.

    Auf »Jim«, seinem neuen Album, singt Jamie Lidell Soul und sonst nichts. Seine sofort wieder erkennbare Stimme taugte schon immer dazu und wird immer besser. »Jim« versammelt zehn Stücke, die nicht exaltiert sein wollen, sondern eingängig. »I used to scream when a whisper would do«, singt Lidell in »Another Day«: »Another day, another way to / open up to you«. Das Eröffnungsstück der Platte klingt entsprechend fröhlich mitsamt Vogelgezwitscher, Glöckchen und Handclaps – wie sollte man sich diesem Sound verschließen?

 

VIDEO: Jamie Lidell – Another Day

    »Some people say life’s better with eyes closed«, heißt es in »Out Of My System«. Traumwandlerisch bedienen sich Jamie Lidell, Produzent Mocky und Spezl Gonzales am Piano an Instrumentarium und Sprache des Soul und Funk – ohne zu offensichtlich zu klauen. An Up-Tempo-Nummern schmiegen sich mit »All I Wanna Do« und »Rope Of Sand« zwei schöne Balladen. »Jim« klingt homogener und organischer als noch »Multiply«, fast so, als wäre es von einer Band eingespielt worden (zwar waren viel mehr Musiker beteiligt, aufgenommen wurde aber an verschiedenen Orten: in Los Angeles, Paris und Rom).

    Das Experiment, wie ein Techno-Artist sich zu einem Soul-Crooner wandeln kann, zeitigt mit »Jim« ein eindrucksvolles Ergebnis. Sollte Jamie Lidell damit ins Radio kommen, wohin es ihn laut eigener Aussage in einem Interview mit Radio-DJ Michael Rütten durchaus drängt, wäre es keine Schande. Das Radio würde es schmücken.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 02.05.2008

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