Jam City Dream A Garden

Softe Subversion: Jam City fickt das System auf Dream A Garden mit weichgezeichnetem Clubsound.

Neues aus der Serie »Kein Richtiges im Falschen« oder: Wie könnte man das Scheißsystem ein bisschen ficken? Jack Latham alias Jam City will etwas in der Art erreichen mit seinem zweiten Album, einer Platte über »Liebe und Widerstand«, wie es heißt, die sich als Protestakt gegen die neoliberale Durchdringung der Kunst ankündigt. Einfacher gesagt als getan. Latham versucht es mit softer Subversion: Er zeichnet den von ihm gewohnten kantigen und technophilen Clubsound weich, wechselt vom Track-Konstrukteur zum singenden Songwriter und lässt Erinnerungen an verträumte Chillwave-Sommer aufblitzen. Die Radikalität steht hier gewissermaßen Kopf. Dream A Garden ist eine bezaubernde, ziemlich warenförmig geratene Realitätsflucht irgendwo zwischen Affirmation und Verweigerung.

Sie beginnt mit Brutzeln und Rauschen, Fehlkopplungen und absaufenden Rechnern. Jam City macht Schluss mit sich selbst. Das bald einsetzende Wechselspiel aus Gitarre und Stimme irritiert, auch weil es so harmonisch daherleiert wie Washed Out, Ducktails und andere fast schon wieder vergessene Popträumer. Jack Latham bricht im Grunde komplett mit dem Stil, für den er und sein angestammtes Label Night Slugs seit ein paar Jahren verehrt werden: verwinkelte Clubtracks, die immer gleichzeitig geil verkopft und anstrengend körperlich sind, in denen erschütternde Leere auf unmögliche Beats und chromblitzende Pauken und Trompeten trifft wie auf den Platten von Bok Bok, Egyptrixx oder eben auf den bisherigen Jam-City-Veröffentlichungen. Die avantgardistische Weiterentwicklung von britischem Garage-House hat nun zwar Pause, aber Latham bastelt die Lofi-Indietronica auf Dream A Garden mit derselben Sorgfalt wie zuvor seine Clubskulpturen. Nichts ist Zufall, nichts Experiment, jedes Rauschen und jeder Sound sind genau an den richtigen Fleck designt. In diesem süßen, melancholischen Flow fällt das nur nicht so sehr auf.

Schwer zu sagen, was hier stärker ist: die schlafwandlerischen, formlosen Stücke wie »Good Lads, Bad Lads« oder »Black Friday«, deren nostalgische Synthesizerflächen herrlich nach Hype Williams klingen, oder die formvollendeten Hymnen wie »Unhappy« und »Crisis« mit ihren subtil dengelnden Gitarrenriffs. Die krasse Einfachheit macht dieses Album so schön, obwohl man genau weiß, dass alles eben nicht so einfach ist. Vor allem die Sache mit dem Widerstand, der schnell in Reverb versinkt wie die graue Realität außerhalb von Jack Lathams Traumgarten. Wie so oft: Ändert gar nichts, tut aber richtig gut.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here