JaKönigJa Ebba

Vor genau einem Jahr las ich in dem Magazin »Neue Arbeit« einen Text von Ebba Durstewitz, Sängerin und Texterin von JaKönigJa, in dem sie anhand umfangreichen Quellenmaterials (von »Buffy, the Vampire Slayer« bis hin zu mittelalterlichen Schriften) schlussfolgerte, dass der Hase »tatsächlich das Böse per se« sei. Als Folge von Durstewitz’ kluger Beweisführung entstieg in mir die Sehnsucht, dass JaKönigJa bitte mal wieder eine Platte machen mögen. Nun ist es soweit. Ebba Durstewitz, Jakobus Siebels, Marco Dreckkötter und Matthias Strzoda haben mit »Ebba« ihre bis dato ausgefeilteste Verbindung aus Gedicht und Klang produziert. Die Musik ähnelt streckenweise dem, was z.B. die High Llamas aus Brian Wilson-Kompositionen schnitzen, aber bei JaKönigJa kann man sich kaum merklich einen Splitter einfangen, wenn man über ihre Schnitzereien fährt. Ähnlich wie März modellieren sie ihre Einflüsse in eine Form, die eine seltsam zeitverschobene Komponente beinhaltet, in der alles möglich und miteinander vereinbar erscheint: ein orientalisch anmutendes Instrumentalstück (über den rätselhaften Buchverfasser Abdul Alhazred, einer literarischen Figur, mittels der H.P. Lovecraft Andeutungen von ungeheuerlichen Wesenheiten in seinen Cthulu-Zyklus implementierte – ähnlich funktionieren auch die »Quellenbelege« in Durstewitz’ Text zum »bösen Hasen«), naiv anmutende Melodien, ein packender Pop-Song oder kleine, nuanciert aufeinander aufbauende Kompositionsteile, die meist mit Celli, Klavier, Gitarren, Blasinstrumenten, Marimba, Orgel und Drums realisiert werden – und sich schließlich in barocken Arrangements um viele kluge Zeilen gruppieren: »So fängt es an und bewegt sich wie von selbst / ungerufen, ungefragt / nackenabwärts über Schulterblatt und Arm / in die Hände, die sich suchen.« Ist jener Moment, den jeder kennt, nicht außergewöhnlich genau und schön beschrieben? Am Ende dieser traumhaft guten Platte erfahren wir, aus welcher Position heraus Ebba Durstewitz beobachtet und schreibt. Es wäre aber schlechter Stil, hier alles zu verraten.

LABEL: Buback

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 14.02.2005

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