Metall für das Volk

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Fotos — Gerald Jenkins Jah Wobble

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Wenn John Lydon Ted Gaier aktuell in Spex #339 unter einigen Verständigungsschwierigkeiten – Kostprobe:

TED GAIER:   [Das Artwork] erinnert mich an eine frühere Ära, könnte ein Progressive-Rock oder Krautrock-Cover sein.
JOHN LYDON:   Wie bitte, Kraftwerk?
TG:   Nein, Krautrock. Wie Can oder Guru Guru.
JL:   Was jetzt, das Cover? Du redest Müll? –

erklärt, wie er seine Band bzw. Firma PiL (Public Image Ltd.) dank eines TV-Werbespots für Butter wieder zusammengebracht hat, dann bleiben zwei Männer ungebuttert außen vor: Keith Levene und Jah Wobble – zwei prägende Figuren der an Personalwechseln nicht gerade armen Geschichte rund um den ehemaligen Sex Pistols-Sänger. Bassist Wobble, der später u.a. mit Brian Eno, Holger Czukay oder Jaki Liebezeit kollaborierte und – fotografiert von Wolfgang Burat – das Cover der allerersten Ausgabe von Spex zierte, und Gitarrist Levene gehörten zur von Drogen verseuchten und Kreativität beseelten Gründungsformation PiLs. Zu hören ist ihr innovatives Spiel auf dem Debüt First Issue und dem epochalen Nachfolger Metal Box – dem legendären Entwurf einer neuartigen, anti-rockistischen Musik.

   Im Streit um angeblich für sein Solodebüt zweitverwendetes MB-Material 1980 verließ dann erst Wobble die Gruppe, knapp drei Jahre darauf, nach einem erneuten Zerwürfnis mit Drummer Martin Atkins und künstlerischen Differenzen, folgte Levene, der – mittlerweile vor allem am Synthesizer zu Hause – es sich allerdings nicht nehmen ließ, die ursprünglichen Masterbänder des späteren PiL-Albums This Is What You Want… This Is What You Get unter dem Titel Commercial Zone zu veröffentlichen.

   Ihre wilden Tage haben die beiden nun hinter sich, an Kraft und Gehalt hat ihre Musik aber noch lange nicht verloren. Und wenn die beiden heute Abend in der Berliner Volksbühne (20 Uhr) Metal Box erneut live aufführen, dann begehen sie nicht den Fehler, die Songs von damals einfach nachzuspielen. Nein, mit ihren Mitmusikern werden Wobble und Levene Metal Box noch stärker in den Dub hinunter drücken, bis sich die einzelnen Liedcharaktere auflösen werden und die Musik durch ihre gegenwärtige Übersetzung eine neue Kraft entfaltet.

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Keith Levene (links)

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