Jack & Amanda Palmer »You Got Me Singing« / Review

Melancholisch und karg: Die Punk-Cabaret-Spezialistin covert Lieder mit ihrem Vater.

Amanda Palmer hat nicht rumgefläzt. Zwar ist Theatre Is Evil, das letzte, mit dem Grand Theft Orchestra eingespielte und durch eine legendär erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne finanzierte Album der Punk-Cabaret-Spezialistin schon wieder vier Jahre her. In der Zwischenzeit hat sie aber ihre Autobiografie The Art Of Asking geschrieben, einen rührenden TED-Talk darüber gehalten, den Autor Neil Gaiman geheiratet und im letzten Herbst ein Kind bekommen. Als Palmer mit You Got Me Singing begann, war es noch nicht geboren. Während der Schwangerschaft bat sie ihren Vater Jack, einen Kirchenchorsänger, Lieder mit ihr zu covern, die auch das Kind mögen würde. Die Songs sollten nicht kitschig klingen, sondern generationenverbindend.

Kitschig ist You Got Me Singing wirklich nicht, eher melancholisch. Und karg: Man hört Klavier, Gitarre, manchmal Pedal Steel, Glockenspiel oder Vibrafon. Im Fokus steht der Gesang, der bei Amanda so weich klingt wie nie zuvor, während Jack umso sonorer singt, wie eine Mischung aus Johnny Cash und Märchenonkel. Vater und Tochter haben die Lieder gemeinsam ausgesucht, sie stammen zu gleichen Teilen von Frauen und Männern.

Eine Mischung aus Johnny Cash und Märchenonkel.

Besonders schön: »Pink Emerson Radio« mit Leadgesang von Amanda, das von Kathleen Edwards geschrieben wurde. Besonders gewieft: das in der Version von Richard Thompson schwer honky-tonkige »1952 Vincent Black Lightning« wird bei den Palmers zur sinisteren Ballade im Stil von »Where The Wild Roses Grow«. Toll ist auch »Black Boys On Mopeds« (Sinéad O’Connor) aus dem Jahr 1990, das die damals 13-jährige Amanda erst später als Protestsong entzifferte. Das Traditional »Skye Boat Song« wiederum erinnert daran, dass ihre Großmutter einst per Schiff von Schottland nach New York kam und dabei ihren Bruder verlor. Viel Familiengeschichte also? Und wenn schon. You Got Me Singing sendet Lied für Lied feste Umarmungen an treue und zukünftige Fans.

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