Iron And Wine The Shepherd´s Dog

Samuel Beam, in South Carolina aufgewachsener Indie-Folker und gelernter Filmwissenschaftler, hat mit dem dritten Album unter seinem Projektnamen Iron And Wine ein stilles Meisterwerk aufgenommen. Sein Gesang ist sanft, doch frei von jener Seelenschauzerbrechlichkeit, mit der sich Singer/Songwriter-Befindlichkeiten allzu oft unschön aufzudrängen pflegen. Beams Stimme erinnert an Belle And Sebastians Stuart Murdoch und Simon & Garfunkel. Das auf akustischer Gitarre basierende Songwriting hat sich seit seinem im Heimstudio entstandenen Debüt »The Creek Drank the Cradle« (2002) weiter filigranisiert.

    Dezente Sitarklänge, solitäre Streicher, die Glissandi countryesker Slide-Gitarren, gelegentliche Honky-Tonk-Piano-Tupfer und ferne Orgeln ergänzen ein nicht mehr nacktes, doch immer noch leicht bekleidetes Soundgerüst, bei dem jeder Ton genau dort erklingt, wo er erklingen muss. »The Shepherd´s Dog« hört sich erwachsen, reif, versöhnt an, ohne dabei den abgestandenen Geruch musikalisch abgeklärten Profitums zu verströmen. Manches der Assoziationen an ländliche Weite hervorrufenden Stücke erinnert an Calexico, mit denen man 2005 auf der »In the Reins«-EP kollaborierte. Andere Songs wie das herausragende »House By the Sea« lassen sowohl kompositorisch als auch hinsichtlich des Sounds an den frühen Nick Drake denken.

    Auffällig ist die teils recht forcierte Rhythmik, die sich auf Trommeln, Handklatschen und auch Fußstampfen stützt und dergestalt ein sehr körperliches Klangbild erzeugt. Die Single »Boy With A Coin« etabliert sogar einen grandiosen Flamenco-Rhythmus. Die mitunter von der Blues-Tradition zehrenden (»Peace Beneath the City«), aber nicht in ihr verwurzelten Stücke des nach eigenem Bekunden agnostischen mehrfachen Familienvaters Beam sind durchzogen von einer heiteren, im Vergleich mit einer Band wie Low weniger schweren Spiritualität, die dennoch nie in sedierte Hippie-Seligkeit umschlägt. Auf spektakuläre Paukenschläge verzichtet das dritte Iron And Wine-Album. Um so heimtückischer ist seine Wirkung: Stücke wie »Innocent Bones« oder »Resurrection Fern« gerieren sich zunächst ganz unauffällig, aber irgendwann kommt der Moment, an dem man sich ernsthaft fragt, was man eigentlich all die Jahre ohne sie gemacht hat.

LABEL: Sub Pop

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 28.09.2007

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