International Music – Ach, was! / Feature & Ticketverlosung

Die Unkonzeptband International Music macht sich auf die Reise vom Pott in Richtung Metaebene. An deren vorläufigem Ende steht ein überbordendes erstes Album mit dem poetischen Horizont von Thekenfloskeln. Anfang Mai spielt die Band in Berlin. SPEX verlost Tickets und traf sie zum Interview – das komplette Feature aus SPEX No. 380.

Völker, hört die Signale! Die Internationale Musik spielt fortan im Pott. In Essen zwischen Karl-Heinzens Pilstheke und dem trüben Aquarium eines Chinarestaurants namens „Chinarestaurant Nr. 6“ bemerkten Peter Rubel und Pedro Crescenti vor einem Jahr, dass ihren Westerngitarren-Arpeggios etwas der Lärm abgeht. Also fragten sie Joel Roters, der cool aussah, ob er Schlagzeug spiele. Und ja, Joel spielte kein Schlagzeug und ist seitdem in der Band. Eine Band, die man anschließend in der Folgerichtigkeit eines Glutamatrausches International Music nannte und die seither ihr aus den Zechen verprelltes Umfeld durch das Kaleidoskop des Psychedelic con Krauto betrachtet.

Das Verhältnis von International Music zum Ruhrpott ist kein generisches. Die Band ist in toto zugezogen – Rubel, um Komposition zu studieren, Crescenti, um in Rubels Nähe zu studieren, und Roters, weil in Essen die Ateliers günstig sind und man als Maler noch was gilt. Trotzdem hält International Music beispielhaft her für die kulturelle Renaissance des ehemaligen Epizentrums der Schwerindustrie. Auch weil sie sich einschreiben in eine westdeutsche Kunsttradition von Max Ernst bis Joseph Beuys, die ihren Hintersinn gerne als Unsinn gewandet.

„Stellt die Weichen“, wird da gesungen. „In welche Richtung ist egal.“

„Für alles find’st du Wörter, die beschreiben, was du siehst / Für alles andere fehlt dir das Repertoire“, singt Rubel da beinah programmatisch. International Music forcieren eine Sprache, die sich an den Beschreibungsstrategien des Geläufigen aufreibt: „Knie kaputt, Frisur ist scheiße, die besten Jahre sind vorbei.“ Es ist der poetische Horizont von Thekenfloskeln und Sinnsprüchen und dessen Unschärfe zwischen Trivialität und Tiefe, den die Band sucht – und nie verlässt. „Es gibt bei uns ein unterbewusstes Kriterium“, meint Rubel. „Wird etwas zu konkret, versuchen wir es wieder diffus zu machen.“ Verwirrung stiften im Ohr des Zuhörers und sei es nur im leisen Tinitus-Diskant einer Metaebene: „Warum krieg ich’s immer so, wie ich’s bestellt hab?“

Transportiert wird dieser Ansatz von einem Sound, der das auch tragen kann. Denn International Music sind eine Jam-Band im positiven Sinne. Sie wissen also, sich einem einzigen Motiv voll und ganz zu verschreiben und um diesen fast tantrischen Aspekt des Psychedelischen mit seinen ewigen Spannungsbögen und wenigen Variationen. „Ich liebe repetitive Musik“, sagt Crescenti. „Die extreme Wirkung, die man mit der geringsten Veränderung erzielen kann.“ Hier schlägt auch das aufs Wesentliche reduzierte Schlagzeugspiel Roters zu Buche. Ein Break kommt nur dann, wenn es auch wirklich einen Break braucht.

Die Besten Jahre ist eine überbordende Platte, mit 17 Tracks vielleicht ein Stück zu lang geraten. „Ach, was!“, meint Crescenti. „Die Zeit wird man sich doch noch nehmen können.“ Und am Ende spielt das sowieso keine Rolle, denn die Unkonzeptband International Music liefert ein eindrückliches Debüt ab, das bei aller Unschärfe durchzogen ist von einem ganz zarten Pathos. „Stellt die Weichen“, wird da gesungen. „In welche Richtung ist egal.“

Dieser Text ist wie viele weitere Features in der Printausgabe SPEX No. 380 erschienen. Das Heft und alle weiteren Back Issues können versandkostenfrei im Onlineshop bestellt werden.

SPEX verlost 2×2 Tickets für das Konzert von International Music am 04. Mai im Internet Explorer Berlin. Wer gewinnen möchte, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „International Music“ an gewinnen@spex.de. Den vollständigen Namen nicht vergessen! Viel Glück!

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