Institute „Subordination“ / Review

Subordination klingt düsterer, direkter, roher noch als das Debüt Catharsis. Von Katharsis ohnehin keine Spur hier.

Ich repariere mein Fahrrad. Der Rost hat sich mit den Jahren hindurchgefressen, trotzdem – oder gerade deshalb – hänge ich sehr daran. Handwerklich bin ich sicherlich nicht unbegabt, mein Nervenkostüm jedoch ist nicht immer das dickste. Und dann ist da dieses massive Schraubgewinde, für das ich einen 26er-Schlüssel bräuchte, den ich aber nicht besitze. Irgendwann sind meine Hände verschrammt und dreckig, ich habe mich meines T-Shirts entledigt, führe mich auf wie ein Höhlenmensch. Der Schweiß brennt in meinen Augen und die rostige Schraube ist in der Gunst meiner Feindschaft nicht gerade gesunken. Ich mache weiter, bis der Balkon einem Schlachtfeld und mein Fahrrad einem malträtierten Skelett gleicht. Ich fluche, bin im Wahn. Ziemlich laut aufgedreht läuft Subordination, das zweite Album von Institute aus Austin, Texas. Es schmiegt sich kratzig an meine Aggression, gleichzeitig lässt es mich weitermachen. Ich will nicht scheitern, während Sänger Moses Brown sich vor einer Montage aus Void, Crass, Die Kreuzen und Saccharine Trust rotzig aus den Boxen kotzt. Diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun!

Blut mischt sich mit Schweiß und Schmiere.

Die Songs des 2013 gegründeten Quartetts treiben mich in den Wahnsinn, ich rutsche mit der verdammten Zange ab, Blut mischt sich mit Schweiß und Schmiere. Subordination klingt düsterer, direkter, roher noch als das Debüt Catharsis. Von Katharsis ohnehin keine Spur hier. Noch nicht. Die Band hat die Platte auf ihrer letzten Europatour geschrieben, um die Live-Energie besser einzufangen. Im Studio übersetzt hat dann Ben Greenberg von Uniform. Gut. Wie beim Debüt sprengt das Cover den konzeptuellen Ansatz der Sacred-Bones-Signatur. Wie unangepasst, toll! Giftig schieße ich ein paar Blicke auf die Stereoanlage.

Doch ich mache weiter, neun Songs lang, dann noch mal, insgesamt höre ich das Album sechs Mal, bis ich nach drei Stunden der Verzweiflung schließlich gegen die rostige Schraube gewinne. Ein starkes Album. Während ich das reparierte Fahrrad putze, lege ich zur Beruhigung Utakata No Hibi der Japanerin Mariah auf.

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