Im Quartal in die Zukunft – Das Musikmagazin »Sounds« wird neu aufgelegt

Sounds 1985Wo wir doch gerade bei Madonna & Co in Spex sind: eine kurze Suche in unserem Archiv brachte die April-Ausgabe der »Musikexpress Sounds« aus dem Jahr 1985 hervor. Auf deren Titel: Madonna, eingelümmelt in ein merkwürdig schimmerndes, hellblaues Satin-Laken, das offensichtlich stattlich nachbearbeitet wurde. Links daneben ihr Name und der Untertitel »Bettgeflüster!« – verrucht! Das Inhaltsverzeichnis eröffnet dann: »Das Luder«. Im Artikel zur Titelgeschichte spricht Jeffrey Ferry mit Madonna über Bronski Beat, über Marilyn Monroe, Boy Toys, vor allem aber über Sex, Sex und: ihre Familie. 23 Jahre ist das nun her – damals ging die auch für SPEX wegweisende Musikzeitschrift »Sounds« gerade unter Verleger Jürg Marquard den fließenden Übergang zum »Musikexpress« (ME), der wiederum im späteren Verlauf zum Portfolio des Axel Springer-Verlages überging. 42 Jahre nach der Gründung im Jahr 1966 und dem krassen redaktionellen Umbruch 1983 legt der Springer-Verlag die alte Marke Sounds nun neu auf.

Am 17. Juli soll die erste, neue »Sounds«-Ausgabe am Kiosk liegen, anders als früher wird das Magazin – ähnlich wie z.B. das Gesellschaftsmagazin »Dummy« – jeweils monothematisch ausgerichtet sein. Vier Ausgaben will man so pro Jahr liefern, das erste Heft wird sich samt beiliegender Covermount-CD zu einem Ladenpreis von 6,50 € ganz der ›schwarzen Musik‹ widmen (an dieser Stelle sei auf unser »Jamaica«-Special in der neuen Ausgabe verwiesen).

»Früher bot der ›Musikexpress‹ immer wieder Sonderhefte wie z.B. zu den Beatles oder Led Zeppelin«, erklärt der neue »Sounds«-Chefredakteur und früherer ME-Redakteur Ernst Hofacker. »Dieses Konzept möchten wir aufgreifen und es gleichzeitig thematisch offener ausrichten, variabler sein. Unsere erste Ausgabe hat die ›schwarze Musik‹ zum Thema – ein äußerst weites Feld, das man kaum in Gänze in einem Heft abbilden kann. Wir sahen zuletzt ein neues Interesse an Soul, man denke an Duffy, Amy Winehouse oder Adele. Aber auch alte Helden wie Al Green haben sich erfolgreich erneuert und mit neuen Produzenten ein großes Comeback geschafft.«

Der Print-Markt ist seit einiger Zeit im Wandel, alleine von Anzeigen der Plattenfirmen bzw. der Musikindustrie abhängig zu sein bedeutet heute enormen Druck für Musikmagazine und deren Redaktionen. Auch für die von zwei Redakteuren und dem früheren Guitar-Art Director Christoph Zettel betreute neue Sounds ist dies eine Herausforderung: ähnlich wie die neue SPEX will man entschleunigt und gut leserlich ein textlastiges, mit hochwertiger Fotografie ausgestattetes Quartals-Magazin produzieren – die gedruckte Auflage wird sich zum Launch zwischen 50.- und 60.000 Exemplaren bewegen. »Die Budgets, die wir früher kannten, existieren nicht mehr«, sagt Hofacker im Gespräch. »Deshalb investiere ich das zur Verfügung stehende Geld statt in aufwändige Ausstattung auch lieber in gute Autoren, die umfassend und ausführlich über ausgewählte Themen schreiben können.« Der genaue Autorenstamm bleibt vorerst unklar: »Wir arbeiten derzeit mit ›Musikexpress‹- und ›Rolling Stone‹-Autoren, sind aber selbstverständlich auch an der Rückkehr früherer Mitarbeiter wie zum Beispiel Diedrich Diederichsen oder Alfred Hilsberg interessiert – ebenso wie an jungen, talentierten Schreibern.«

Die Autoren waren letztendlich das, was die alte Sounds bis Anfang der Achtziger stets ausgezeichnet hat: neben Diederichsen und Hilsberg schrieben auch Andreas Dorau, Peter Hein, Andreas Banaski, Hans Willi Andresen, Olaf Dante Marx, Harry Rowohlt und viele andere für das 1966 in Hamburg gegründete Magazin.

Einen Überblick über die »Sounds«-Kritiker- und Lesercharts der Jahrgänge 1970 bis 1982 findet sich hier. Für den Relaunch und die Zukunft wünschen wir »Sounds« viel Erfolg.

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