I’m from Barcelona

Mia ist viereinhalb (worauf sie sehr gerne und mit Nachdruck besteht). Mia mag die Farbe Rosa in allen erdenklichen Schattierungen und Texturen – ganz gleich ob als Feenflügel, Prinzessinnenkleidchen mit passendem Diadem oder glitzernden Pailletten-Klackerschuhen. Und Mia hat einen neuen Freund – oder besser gesagt auf einen Schlag gleich 29 neue Freunde aus einem verträumten schwedischen Nest namens Jönköping. Mias bisheriger Held war eindeutig PeterLicht mit seinem herzzerreißend-verspielten Dada-Pop, den er auf »Lieder vom Ende des Kapitalismus« in 13 großartigen Abzähl- und Schüttelreimen vor einigen Monaten den Kindern dieser Welt zum Geschenk machte. Gerne wurde und wird der Licht-Peter von Mia zitiert und mitgesungen, wobei es ihr »Gerader Weg« besonders angetan hat – bietet sich der schmissige und eingängige Refrain, der den Titel mehrfach hintereinander intoniert, doch geradezu an, ihn bei geöffnetem Autofenster, mit wehendem Haar und sich im MaxiCosi-Kindersitz rekelnd mitzuschmettern. Na ja, manchmal fragt Mia schon, was es denn wohl mit dem »Kapitalismus, dem alten Schlawiner« oder der »alten Tante Wohlfahrtsstaat« auf sich hat – und ob man die beiden nicht mal besuchen könnte.

    Aber jetzt stehen die 28 Freunde von Emanuel Lundgren ganz weit oben in Mias Gunst, denn das, was der gar nicht mal so alte Schwede auf dem ersten Album seines infantil-liebenswürdigen Musikerkollektivs I’m From Barcelona abliefert, sind samt Hidden Track zwölf unbeschwert-liebenswerte Lieder, die selbst den abgewichstesten und verschlagensten Nepper, Schlepper oder Bauernfänger in seinem tiefsten Innern berühren und innehalten lassen, in einem emotionalen Flash aus wohlig-warmen Erinnerungen längst vergangener Tage, ohne dabei die eigene Vergangenheit zu verklären. Die Musik lässt einen vielmehr spüren, welch weniger Dinge es doch bedarf, um einen kurzen und reuelosen Moment des Glücks zu erleben. Dieser Moment ist in der Tat »nur« knapp vierzig Minuten lang, und man fühlt sich immer wieder aufs Neue versucht, die Repeattaste zu drücken, damit dieser akustische Zauber noch einmal die Augen zum Glänzen und Aufleuchten sowie die müden Beine zum Mitwippen bringt. Inhaltlich bewegen sich die Texte ebenfalls auf einem Niveau von Kinderlyrik der besonderen Sorte – denn wer schon mal selbst versucht hat, eine Geschichte für ein juveniles Auditorium zu imaginieren, weiß, wie unerbittlich und gnadenlos ein solches Publikum in seiner Beurteilung sein kann. Bei I’m From Barcelona geht es um die wichtigen Dinge des Lebens: Baumhäuser, frankophile Goldfische, Kinderkrankheiten, Briefmarkensammlungen und den Schlaf der Gerechten. Eben die wirklich kleinen Dinge des Lebens, die alles manchmal ein bisschen schöner, erträglicher und leichter machen – und die sich problemlos auch auf die Lebenswelt eines Erwachsenen übertragen lassen: Eskapismus, Fernweh, Liebesschmerz und Zeit für sich selbst. Und wie heißt es beim Song »Chicken Pox« doch so traurig-schön und wahr: »You can´t have it once you’ve had it«. Kindermund tut Wahrheit kund … Mias Anspieltipp: »Lied Nummer vier – >Treehouse<!!!«

LABEL: Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 18.08.2006

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