iLiKETRAiNS

Die EP »Progress Reform« war im letzten Jahr eine regelrechte Offenbarung, was schwer melancholischen Düster-Sound mit einem gewissen Understatement und Stil anging. Die Herrschaften aus Leeds, die sich hinter Eisenbahnuniformen und dem konsequenterweise gewählten Namen iLiKETRAiNS versteckten, schufen mit einer Klangästhetik irgendwo zwischen Postrock und Sigur Rós, zwischen Explosions In The Sky und The National, eine Musik, die für depressive Teenager wahrscheinlich zu harte Kost gewesen sein dürfte, für den am Leben scheiternden Langzeitstudenten der Geisteswissenschaften aber wie auf den Leib komponiert.

    Nach weiteren Appetithäppchen in Form zweier Singles nun endlich neues Material erstmals auf Länge eines vollen Albums, bei dem die Band doch glatt das macht, was man sich als erwachsener Hörer meist erhofft, aber womit man eben doch selten rechnet: sie entwickelt sich weiter. Weg von der Eindeutigkeit, weg von der allzu totalen Schwere, weg von der allumfassenden Aussichtslosigkeit, die noch in der EP so deutlich zu hören war. Und hin zu – natürlich – zwar nicht gerade leichten Klängen und fröhlichen Lyrics, aber doch einem erstaunlich lockeren Umgang mit all dem Kranken an der Welt und der Situation und Aussichtslosigkeit. Als hätte man das Dunkle einfach akzeptiert – es bleibt beim Moll, aber diesmal mit sinfonischem Background, mit einem Tick mehr Pathos und Größe. Das sechsminütige »We All Fall Down« zur Eröffnung ist da schon ein grandioses Beispiel: Zeilen wie »We play a waiting game / And it won’t be long« werden aufgrund der Langsamkeit im Vortrag und der geradezu resigniert klingenden Violinenarrangements im Hintergrund zu einer Stimmung, die einen an ›Kapitulation‹ denken ließe, wäre dieser Begriff im Jahr 2007 nicht schon anderweitig vorbelastet.

    Und es bleibt auch über die ganze Platte hinweg beim Novembergefühl, aber diesmal derart, als würde man gar nicht mehr, nie wieder, mit besserem Wetter rechnen. Das ungute Gefühl, diese eigenartige Stimmung, ist einfach vorhanden, mit einer ganz erstaunlichen und auf perfide Weise wunderbaren Selbstverständlichkeit. Gestern war Melancholie, heute ist Schwermut. Riesige Platte.

LABEL: Beggars Banquet

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 05.10.2007

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