»Ich wusste, dass diese Welt mich nicht fair behandeln wird« – Princess Nokia im Interview

Princess Nokia im Video zu »Tomboy«

Die Rapperin Princess Nokia gehört zu einer neuen Generation von Künstlerinnen, die mit selbstbewussten Texten und gewaltigen Beats Feminismus eine laute Stimme in der Welt des Rap geben. Mit SPEX sprach die 24-jährige New Yorkerin über Freiheit, Spiritualität und die Liebe ihres Lebens.

Princess Nokia, dein Musikstil hat sich sehr verändert. Dein erster Song »Bitch I’m posh« war housig, auf dem 2014 erschienenen Album Metallic Butterfly hast du mit verschiedenen Genres gespielt, während der Song »Soul Train« von 2015 eher 70s-Disco ist. Dein neues Album 1992 zeichnet sich im Gegensatz dazu durch trappige Beats und kraftvolle Rap-Parts aus. Was hat diesen Stilwechsel beeinflusst?
Ich habe schlichtweg gemerkt, dass ich bereit bin, eine Hip-Hop-Platte aufzunehmen. Vorher habe ich es nie gemocht, zu schreiben und habe mich unsicher dabei gefühlt. Eines Tages war ich nicht mehr unsicher. Also habe ich einfach angefangen.»With my little titties and my phat belly I could take your man if you finna let me« war die erste Zeile, in die ich mich verliebt habe. Von da an wusste ich, dass ich etwas Besseres schreibe. Das kam einfach und hat bis heute nicht aufgehört. Ich liebe Hip-Hop und seine Ursprünge. Ich liebe es, im Park zu breakdancen, zu rappen und meine Texte zu schreiben. Das bin einfach ich.

Deine Beats und Texte sind auch wütender und politischer als vorher.
Ich war schon immer ein beschissenes, pissiges, ängstliches Kind, weil ich eine Außenseiterin bin. Und ich habe einen Punkt meines Lebens erreicht, an dem ich gemerkt habe: Ich bin wirklich so. Ich mag den Unterton der humorvollen Kälte. Die Zufriedenheit der Apathie. Ich bin sehr süß und soft, gleichzeitig dunkel und verdreht. Ich fühle einfach meine Teenagerangst und das wollte ich zeigen.

»Eines Tages war ich nicht mehr unsicher.«

In »Bart Simpson« rappst du die Zeile »See, I know my money got raised by the jews.« Das hat eine Kontroverse ausgelöst. Worauf beziehst du dich hier?
Ich wurde von reichen Juden aufgezogen. Ich verstehe nicht, warum die Leute denken, das sei antisemitisch. Es ist eigentlich sogar pro-jüdisch. Ich bin mit jüdischen Kindern in die Schule gegangen, war zehn Jahre lang im hebräischen Ferienlager. Meine Tanten und Onkel waren reiche Jüdinnen und Juden. Wenn ich sage, ich sei eine New Yorker Puerto-Ricanerin, ist das die gleiche Referenz. Das ist also ein Missverständnis.

Du veröffentlichst deine Arbeit unabhängig, hast mehrere Plattendeals abgelehnt. Dein neues Album ist kostenlos zum Download auf Soundcloud verfügbar. Warum?
Weil ich ein faules Stück bin. Ich habe keine Lust auf Papierkram und den Mist – das nervt. Ich habe andere Sachen zu tun, habe ewig auf die Platte gewartet und wollte nicht mehr warten. Und es läuft großartig mit der Tour. Ich will Musik einfach kostenlos veröffentlichen. Am Ende sind es ich und die Kids. Selbst wenn ich nie wieder öffentliche Anerkennung für meine Arbeit bekomme, wäre das okay für mich. Ich weiß, dass mein Song in jedem Teenager-Zimmer der nördlichen Hemisphäre läuft. Das ist alles, was ich brauche. Ich lebe in meiner eigenen Realität. Und so habe ich meine Marke, mein Vermächtnis als autarkes kleines Mädchen aufgebaut. Die Menschen unterschätzen meine Macht. Ich könnte morgen meinen Namen ändern und neu anfangen. Das ist Freiheit.

Deine sozialen und kulturellen Hintergründe haben einen starken Einfluss auf deine Musik. Wie im Video zu »Tomboy« lassen sich immer wieder autobiografische Elemente finden. Wie beeinflusst dein Leben deine Arbeit?
Ich habe die Radikalität in meinem Blut. Meine Vorfahren sind Sklavinnen und Kämpferinnen. Meine Großmütter haben gegen Kolonisatoren und Unterdrücker rebelliert, weil sie sie geschwängert und ihre Kultur geraubt haben. Ich fühle das Erbe, das meine Großeltern mir weitergegeben haben. Das kommt nicht von irgendeinem College-Kurs, das ist nichts, was ich als Erwachsene entdeckt habe. Ich wurde schreiend und tretend geboren, wissend, dass diese Welt mich nicht fair behandeln wird.

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