I Am Kloot I Am Kloot

Damals hieß der Auftrag: Erwachsen werden. Irgendwo ankommen. Etwas finden, das zwischen Parkbank und Einfamilienhaus liegt. I Am Kloot schienen die Platte zum Auftrag gemacht zu haben: Eine Platte, die vom Elend der Welt Bescheid wusste und eine Linie aufzeigen wollte. Auf »Natural History« regierte eine Sozialromantik, die in Echtzeit ablief. Die von Blut auf Liebe schließen konnte. Natürlicher Ablauf. Gang der Dinge. Emotionen, Verfall, Gegenmittel. Nie so gute, schöne Liebeslieder gehört. Danach kam die Band aus Manchester nach Deutschland, lieferte schnodderige bis launige Interviews ab und gab u.a. im Kölner Wartesaal zur Popkomm 2001 ein umwerfendes, emotionales, großes Konzert.

    Die Liebeslieder sind rar geworden, überhaupt ist die Direktheit verschwunden auf ihrer neuen Platte, die lapidar nach der Band selbst heißt. Das Label haben sie auch gewechselt, vielleicht wechseln müssen. Es wäre naheliegend zu vermuten, dass I Am Kloot bei sich angekommen sind. »The Same Deep Water As Me« heißt das letzte Stück. Es scheint dichter geworden zu sein in den Texten, strenger, weniger auf weltumarmende Slogans und Sentenzen aus. Keine Liebeslieder, keine Direktheit, wie gesagt. Musikalisch dito. Was irgendwie klar war, sofort einleuchtend erscheint: I Am Kloot wissen, was sie tun. Sie setzen Steine, sie sperren. Und trotzdem gießen sie die Songs. Schütteln sie aus den Hemdsärmeln. Schwierig, aber auf eine völlig einfache Art. Nicht wuchtig, aber hingehauen. Präsent und ohne Schnörkel: Das Schlagzeug, die Gitarre und der fast unsichtbare Bass – und darüber eine Stimme, die Seele und Verstand bündelt und zum Ausdruck bringt. Sonst nichts. »Du weißt, was gut ist«, scheint die Platte sagen zu wollen, »also nimm dies hier.«

    Vermutlich liegen Sozialromantik und -kritik nicht weit auseinander und immer noch zwischen den Zeilen dieser Band. Irgendwo in »Life In A Day«, der Single, oder in »Cuckoo«. Vielleicht ist das aber auch egal: Und das Leben in der »Lofi-Bohéme« (Christiane Rösinger) nach dem 11.09., der Rezession, den Neuen Kriegen, der Ostalgie und dem Popkommumzug ist das, was wir auch weiterhin führen werden.

LABEL: Echo / PIAS

VERTRIEB: Zomba

VÖ: 22.09.2003

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