Hush Puppies

Alle Anfang bis Mitte der Siebziger Geborenen werden ihn noch kennen und seinen Gesichtsausdruck ihr Leben lang nicht vergessen können: Diesen unendlich traurig dreinblickenden Hund, Typ Basset, mit den viel zu langen Ohren und den viel zu kurzen Beinen, der anscheinend unter Androhung von Liebesentzug und physischer Gewalt dazu genötigt wurde, für bequemes Schuhwerk zu posieren. Diesen Eindruck hinterlassen die fünf Herren auf ihrem ersten Album keineswegs, denn außer der Namensähnlichkeit haben sie weder mit einer Hunderasse noch mit einer Schuhmarke irgendwas gemein. Olivier, Cyrille, Frank, Guillaume und Wilfried (sic!) sind weder Leisetreter noch Kläffer oder Wadenbeißer. Vielmehr zeigen sie auf »The Trap«, dass aus Frankreich neben Nouvelle Chansons, Electronique francaise formerly known as French House und Slacker-Soul à la Phoenix eben auch noch ein anderer musikalischer Wind über die Grenzen hinwegwehen kann. Vielleicht liegt dieser Umstand auch darin begründet, dass die Bandmitglieder zwar mittlerweile im schicken Paris residieren, sich ihre Meriten aber im schönen, sonnendurchfluteten Languedoc, rund um Perpignan und im Süden der Republik gelegen, verdient haben. Dieses kleine Städtchen Perpignan hat nicht allein durch eines der letzten monumentalen Werke Salvador Dalís Weltruhm erlangt, in dessen Mittelpunkt der nach Ansicht des Meisters transzendentale Bahnhof des Ortes steht. Dort befindet sich auch seit Jahren schon das Epizentrum französischer Anglophilie in Form von Sixties Garage Sound und Mod-Kultur – und schickt sich nun an, nach der Hauptstadt auch den Rest Europas und der Welt rockenderweise zu erobern. Gerade im Vergleich zu den vorgenannten Szenehäschen von Phoenix, die mit ihrem kürzlich erschienen dritten Album »It’s Never Been Like That« einen ebenfalls weniger verspielten und dafür geradlinigeren, gitarrenorientierten Weg eingeschlagen haben bzw. dies zumindest beabsichtigten, geben sich die HushPuppies wie eine stilechte Garagenband, die ordentlich The Who gehört, danach ganz viel Wodka mit Oliven und Anchovis getrunken und anschließend ihre Motorroller komplett zu Klump gefahren hat. Und das jedes Wochenende. Einen kleinen, aber durchaus feinen Distinktionsgewinn erzielt Sänger Olivier gegenüber Thomas Mars denn auch noch, indem er ziemlich akzentfrei die Lyrics über die Lippen und ins Mikrofon bzw. aus dem Lautsprecher singt. Und das ganz ohne Nachhilfestunden von Sofia.

LABEL: Faith Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 25.08.2006

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