Hugo Race & The True Spirit / Barry Adamson

Zwei Ex-Bad-Seeds veröffentlichen dieser Tage Upgrades ihres jeweiligen Signatursounds, anders ausgedrückt: ihrer Erkennungsmusik, an deren Perfektionierung sie seit Jahren feilen. Grob gesagt, wirkt Hugo Race immer gegerbter von Sonne und Sand, während Barry Adamson mit jedem Album aus dem Ei gepellter klingt. »Der Trick ist«, sagt Adamson, »dass du sehr Teures, Exklusives, mit Billigem, Gefälschtem mischst. Das erst gibt den Thrill.« Und der ist enorm wichtig, geradezu von existentieller Bedeutung, denn der einstige Bassist von Nick Cave, ein Mann von ausgesuchter Herren eleganz, schreibt den vor fast zwei Jahrzehnten mit »Moss Side Story« begonnenen Score für unverfilmte Thriller mit »Back To The Cat« mit dem gleichen Elan wie früher fort. Vor allem scheint sich Adamson endlich in seiner seit »The King Of Notting Hill« beanspruchten Rolle des Sängers eigener Weisen wohl zufühlen. Die zehn neuen Tracks sind seltsame Hybride aus Seventies-Pop, Noir-Scores, schwarzem Funk und Jazz. Man kann »Back To The Cat« nicht genug loben für die Art und Weise, wie Adamson aus alt bekannten Versatzstücken – Orgelmotive, aus dem geöffneten Fenster hörbare Polizeisirenen, Rückgriff auf klassische Arrangiertechniken, atemlos treibende Rhythmen – ein Album zusammen gepatchworkt hat, das ganz affirmativ einen ausgefallen-urbanen Sondergeschmack bedient. Nicht ohne krasse Psycho-Stalking-Andeutungen (»I’m gonna spend some time in your front garden / I used to hang around in the dark of my one room apartment«), ist »Back To The Cat« mit Sicherheit das gelungenste Album seit seiner 1994er Killer-EP »The Negro Inside Me«.

Barry Adamson    Weniger funktional, umso menschlicher kommt »53rd State« des Gitarristen und einstigen Bad-Seeds-Gründungsmitglieds Hugo Race daher, der seine Musik von Album zu Album spürbarer mit Klangtexturen durchzieht, den Sound atmosphärisch enger und enger webt. Wüstensand umweht die Melodie-Grooves des Melbourners, der auf seinem mittlerweile dreizehnten Soloalbum auffallend die gesangliche Nähe Leonard Cohens sucht – mit so tiefer Stimme sind die zwölf neuen Songs eingesungen, darunter auch eine bemerkenswerte Coverversion von Lee Hazlewood und Nancy Sinatras Verführungsballade »Sand«. Nach seinem bis zum Stillstand abgebremsten Album »Taoist Priests« kicken heute rhythmisch-repetitive Tracks wie »Girl Called Sunset« mit ihren geschichteten Chören, Echos, tighten Bassläufen, elektronischen Soundeffekten, melodiösen Feedbacks – zum ersten Mal seit Races sehr gutem Album »Chemical Wedding « von 1998 ist ein echtes Aufbäumen zu spüren, eine spirituelle Suche nach einer Wall of Sound, der Versuch einer Verwurzelung mit seiner Heimat, die zugleich assoziationsreich ist, wie sie von echten Beweggründen gesteuert scheint. Ein tiefgehendes Album ist »53rd State« geworden, das mit »I Wonder« endet, einer intensiven Meditation über Slidegitarrenfiguren, Moog-Sounds und wehenden Trompeten, eingesprochen von Larry Welsh, einem Aborigine-Aktivisten, der ein eigenes Gedicht liest.

LABEL: Glitterhouse / Central Control International

VERTRIEB: Indigo / Alive

VÖ: 18.04.2008

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