Hot Chip / The 2 Bears

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Domino / RTD — 08.06.12 | Southern Fried / Alive — 27.04.12

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Ungefähr zwei Jahre sind seit One Life Stand, dem letzten Album von Hot Chip, vergangen. Das Quintett um die alten Schulfreunde Alexis Taylor und Joe Goddard ist bislang stets mehr oder weniger knapp daran vorbeigeschrammt, die beste Popband der Nullerjahre zu sein. Man steht in der Tradition eines Pop-Verständnisses, das von Acts wie ABC oder Scritti Politti in den achtziger Jahren definiert worden ist. Taylor und Goddard sind unglaublich talentierte Songschreiber, und doch haben sie bis jetzt nicht das Überalbum aufgenommen, zu dem sie fähig wären. Käme ihnen nicht immer wieder ihre nerdige Eckigkeit in die Quere, könnten Hot Chip die Pet Shop Boys des 21. Jahrhunderts sein. Auf die volle Distanz eines Longplayers ist Goddard und Taylor bisher aber regelmäßig die Puste ausgegangen. Was bleibt, ist die Regentschaft über die Blogs.

   Um es vorweg zu nehmen: Auch In Our Heads ist kein Album, das über die volle Spielzeit der elf Stücke jene Euphorie aufrecht erhalten kann, die der Opener Motion Sickness – im besten Sinne an einen New-Order-Song aus den neunziger Jahren erinnernd – auslöst. Vielmehr kann man weite Strecken dieses knallhart auf plakativen Dance-Pop getrimmten Albums mit dem Attribut solide beschreiben. Dennoch: Songs wie How Do You Do kommen mit großartigen Hooklines, die erste Single Flutes schleicht durch die Hintertür und beeindruckt mit ihrem Produktionsspagat zwischen Club und klassischem Pop. Und zwischen all den Uptempo-Nummern ist den Popromantikern mit These Chains doch ein Song für die Ewigkeit gelungen, der uns daran erinnert, dass es kaum jemanden auf dieser Welt gibt, der schönere Electro-Lovesongs schreibt.

   Legendär sind Hot Chip auch für die Vielzahl ihrer Nebenprojekte. Al Doyle und Felix Martin sind Teil der Band New Build, die mit Yesterday Was Lived And Lost gerade ein ausgezeichnetes Art-Pop–Album in die Läden gebracht hat. Alexis Taylor widmet sich unterdessen dem Projekt About Group, die mit Start And Complete im letzten Jahr bei Domino ein Album veröffentlicht haben, dessen Eckpunkte Al Green und Robert Wyatt sind. Und Joe Goddard hat gerade sowohl eine Solo-Single auf den Markt gebracht als auch gemeinsam mit dem Produzenten Raf Rundell eine LP, die sich den Facetten klassischer House-Music auf knuddelig- unterhaltsame Weise nähert. The 2 Bears nennen sich die beiden in diesem Fall. Mit Be Strong ist ihnen ein Album gelungen, das eine ganze Reihe erstaunlicher Momente bereithält. »Some people say that music sets you free, but all my life music has imprisoned me« – diese Textzeile des an gospelnahe House-Tracks der späten Achtziger und frühen Neunziger erinnernden Titelsongs ist einer von ihnen. Dazwischen gibt es irre Country-Anspielungen oder auch mal 2-Step-Garage-Anklänge. Ein durchweg sympathisches Projekt mit klamaukigem Novelty-Faktor.

   Ein Superproducers-Interview mit Joe Goddard findet sich in Spex #338 – aktuell am Kiosk.

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Stream — Hot Chip In Our Heads — Mehr Videos gibt es auf tape.tv!

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