Horizontbrecher: Film Polska

In Berlin und Frankfurt an der Oder sind von 20. bis 27. April einmal mehr Highlights der polnischen Filmkunst zu bewundern. Ein Ausblick auf die elfte Ausgabe des Film Polska Festivals.

Bereits zum elften Mal findet das größte polnische Filmfestival außerhalb seines Heimatlandes statt. Film Polska ist mittlerweile zur Institution herangewachsen und wartet auch in diesem Jahr wieder mit einer sorgfältig kuratierten und breit gefächerten Auswahl polnischer Filmkunst auf, die eine Woche lang auf diversen Leinwänden in 14 Veranstaltungsorten in Berlin und erstmalig auch in Frankfurt an der Oder zu sehen sein wird.

Im Vordergrund stehen wie immer die Vielfalt, das Hinterfragen von schablonenhaften Bildern und vor allem die Förderung junger, aufstrebender Filmemacher, die von der internationalen Kritik zwar bejubelt, hierzulande aber weitgehend ignoriert werden. So finden sich unter den 99 gezeigten Produktionen unter anderem Agnieszka Smoczyńskas Regiedebüt, das skurrile New-Wave-Meerjungfrauen-Musical Córki Dancingu (Sirenengesang), im vergangenen Jahr beim Sundance Filmfestival mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet, oder United States Of Love (Still oben) vom 1980 geborenen Regisseur Tomasz Wasilewski. Für seine Geschichte über vier Frauen, die 1990 zusammen mit dem politischen Aufbruch Polens auch den persönlichen Neubeginn zu justieren suchen, gewann Wasilewski bei der Berlinale 2016 den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

Dass der cineastische Standort Polen spätestens seit Paweł Pawlikowskis Ida (2013) wieder als selbstbewusster global player agiert, macht sich auch an den zahlreichen internationalen Produktionen im Programm von Film Polska bemerkbar: Das schwedisch-französisch-polnische Schuld-und-Sühne-Drama Efterskalv (Der Eindringling, Buch und Regie: Magnus von Horn) wird ebenso zu sehen sein wie die französisch-polnische Coming-of-Age-Story Crache Coeur (Raging Rose, Julia Kowalski) und der auf einer philosophischen Groteske des Autors Witold Gombrowicz basierende Film Cosmos von Andrzej Żuławski.

Von den zunehmend konservativen und nationalistischen Tönen der polnischen Machthaber zeigt sich die Filmkunst glücklicherweise unbeeindruckt. Der Stummfilm Strefa Nagości (Nude Area, Urszula Antoniak) zeichnet die aufkeimende Liebe einer Frau zu einer jungen Araberin nach; Nowy Świat (New World), ein Episodenfilm von Elżbieta Benkowska, Łukasz Ostalski und Michał Wawrzecki, präsentiert Polen als Zuwanderungsland.

Und auch in diesem Jahr wartet Film Polska wieder mit einem Ehrengast auf, der mit einer ausführlichen Retrospektive gewürdigt wird: Der 1938 geborene Jerzy Skolimowski, Meister der polnischen Nouvelle Vague der Spätsechziger, kann am 21. April bei der Vorführung seines Klassikers Le Départ (Der Start) von 1967 persönlich angetroffen werden. Der Horizont-brechende Fokus liegt diesmal auf dem polnischen Animationsfilm, sehr empfehlenswert ist in dieser Hinsicht die Jerzy-Kucia-Retrospektve. Außerdem versprechen zahlreichen Podiumsdiskussionen, Workshops und Special Screenings, die das Festival einrahmen, erneut einen lohnenswerten Besuch.

Film Polska
20. bis 27.04. Berlin & Frankfurt (Oder) – Diverse Locations
Alle Informationen gibt es hier.

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