Hope „Hope“ / Review

Hopes Debütalbum klingt wie unter Glas, aber mit durchscheinender Leidenschaft.

Wollte man sich ein Motto für diese Band und ihr Debütalbum überlegen, es könnte „Vom Handwerk zum Kunstwerk“ lauten. Hope sind einen weiten Weg dafür gegangen. Angefangen hat alles auf der Jazz-Akademie auf dem bayerischen Land. Sängerin Christine Börsch-Supan, Gitarrist Phillip Staffa, Drummer Fabian Hönes und Martin Knorz am Synthie kultivierten unter dem Namen Mamsell Zazou Musik mit abstrakten Songstrukturen und experimentellen Sounds. Fünf Jahre später, 2014 war das, benannten sie sich in Hope um und zogen nach Berlin. Bald stellten sie fest, dass Handwerk nicht alles ist, dass vielmehr Intensität und Körperlichkeit wichtiger sind als Verkopftheit – und veränderten ihre Songs, wie sie es nennen, „fasertief“.

Eine Band, die sich ins Leben kämpft.

Heute definieren sich Hope über ihr Zusammenspiel und die Energie, die dabei entsteht: Fließen soll die Musik, und genau das tut sie. Beeindruckend, wie Hope zwischen Indie-, Post-Rock und Ambient einen dichten Sound hinbekommen, der ihre spärlich instrumentierten Songs sphärisch wirken lässt. Das mag auch an der hervorragenden Produktion von Olaf Opal liegen, der den einzelnen Instrumenten viel Raum gibt, sich laut zu machen. Wabernde Synthies, diskrete Percussion. Ähnlich verhält es sich mit dem englischsprachigen Gesang: eindringlich, nicht aufdringlich. Die Verführung geht nicht nach außen, sondern nach innen. Hope führte diese Herangehensweise an außergewöhnliche Aufnahmeorte wie etwa eine leerstehende Heilanstalt. Die dort entstandene Musik klingt sägend, zart und schwebend, wie unter Glas, aber mit durchscheinender Leidenschaft. Auch die Videoästhetik verdeutlicht: Dies ist eine Band, die sich ins Leben kämpft. Das macht sie bei aller Zerbrechlichkeit sehr stark.

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