Honky-Tonk und Beinahe-Punk

In den letzten beiden Jahren nicht wirklich ausgeruht haben sich die Prototyp-Indie-Romantiker Arcade Fire. Nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums »Neon Bible« und ausgiebigem Tourbetrieb zogen sich die Kanadier Win Butler, Régine Chassagne, Richard Reed Parry, William Butler, Tim Kingsbury, Sarah Neufeld und Jeremy Gara zurück und begannen in Montréal und New York die Arbeit an dem, was nun als »The Suburbs« in Albumform gegossen wurde. Gemeinsam mit ihrem Koproduzenten Marcus Dravs sollen so – nach nicht näher bekannten oder bestätigten Quellen aus dem Umfeld der Band – insgesamt 38 neue Stücke entstanden und aufgenommen und abgemischt worden sein.

Wieviele davon letztlich auf dem neuen, dritten Album zu hören sein werden, ist derzeit ebenso ungewiss wie die oben angegebene Song-Zahl an sich. Für alles weitere hat ein gewisser Arkady Fireovitch einen kleinen offenen Brief an das Internet geschrieben, das Artwork des Albums beruht auf von AF-Webdesigner Vincent Morisset geschossenen und später nachbearbeiteten Fotografien aus Houston. Zwei neue Songs sind allerdings zwischenzeitlich im Netz gelandet: Zum einen wäre da die ausladend-schwelgerische Honky-Tonk-Piano-meets-Country-Pop-Nummer »The Suburbs«, in der Win Butler vom dystopischen Vorstadtleben in den siebziger Jahren und bisher versagt gebliebenen Vaterschaftswünschen bzw. wachsenden Familienplänen berichtet. Zum zweiten die Beinahe-Punk-Nummer »Month of May«, in der Arcade Fire so ungewohnt wie noch nie zuvor klingen: Verzerrt, laut, schmutzig und – nunja – irgendwie wütend.

Diese beiden Stücke werden derzeit bereits heiß gehandelt bzw. erwartet: Am 31. Mai wird Rough Trade (neben ggf. weiteren Plattenläden) eine unbekannte Zahl an 12″-White-Label-Vinyls mit den Stücken »The Suburbs« und »Month of May« in die Auslagen ihrer beiden Shops in West- und Ost-London stellen, bei Rough Trade werden sie ausschließlich dort, nicht via Mailorder erhältlich sein. Derweil kann man sich eine interaktive Vorschau der Single anhören: Mittels des untenstehenden digitalen Plattenspielers kann man beide neuen Songs in rauschend-knisternder Lo-Fi-Qualität vorab streamen.

Am 2. August wird das Album »The Suburbs« weltweit über das bandeigene Label Sonovox sowie Merge Records veröffentlicht, in Deutschland erscheint es allerdings auf City Slang Records bereits am 30. Juli, auf der AF-Homepage kann man das Album jetzt schon in verschiedenen Formaten (Digital, CD, Vinyl, beiliegender limitierter Siebdruck von Wes Winship) vorbestellen – im Gegenzug erhält man einen umgehenden Download der Stücke »Month of May« und »The Suburbs« als wohlklingend komprimierten MP3-Download.

Um den Veröffentlichungstermin gebührend zu feiern werden Arcade Fire einen Tag darauf in Berlin spielen, im Kreuzberger Tempodrom werden die sieben MusikerInnen präsentiert von Spex neue und alte Stücke spielen – Tickets für das Konzert sind bereits im Vorverkauf erhältlich.

 

Spex präsentiert Arcade Fire Live:
31.08. Berlin – Tempodrom (mit Micachu)
28.11. München – Zenith
29.11. Düsseldorf – Philipshalle

6 KOMMENTARE

  1. dieses „nicht via Mailorder erhältlich“ fand ich schon beim record store day vor ein paar wochen ein wenig unfair ;)

    ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht den sinn dahinter. die platten sind danach ja teilweise trotzdem völlig überteuert bei ebay gelandet. ob das jetzt ein engländer einstellt, der das vinyl im laden gekauft hat oder jemand, der die platte im netz bestellt hat, ist im endeffekt ja auch egal…

  2. Ja, sowas ist für Sammler natürlich doppelt ärgerlich (sehr geringe globale Verfügbarkeit + anschließende Wucherpreise auf dem Digital-Auktions-Markt). Der Werbeeffekt ist so natürlich noch größer, wenn sich lange Schlangen vor der Filiale bilden – ähnliches sieht man ja auch bei neuen Produkten aus Cupertino geschehen, nur ist dort das Angebot größer, die Online-Bestellung ebenfalls möglich. Vielleicht ein Label-/Vertriebsseitiger Sonder-Deal mit Rough Trade?

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