Holly Herndon »Chorus«

Dass man mit Computern nicht nur Gesichter bearbeiten, sondern auch ganze Räume einfangen kann, zeigt das neue Video zu Holly Herndons »Chorus« – ein, nicht nur vor dem Hintergrund von NSA & Co, sehenswertes Werk.

»Es ist eine persönliche Beziehung zu einer Maschine, deren Ausdruck ich momentan stärker erkunden will«, sagte die avantgardistische Bass-Künstlerin im letzten Jahr im SPEX.de-Interview über ihren stetigen Begleiter, einen Laptop. Gemeinsam mit Regisseur Akihiko Taniguchi hat sie nun daran angeknüpft und ausführlich mit dem Japaner via Internet-Videotelefonie gesprochen. Der hat dabei ihre Bewegungen durch ihr Zimmer und sie selbst aufgezeichnet, und mittels einer selbstgeschriebenen Software 3-D-Nachbauten der Umgebung erstellt. Die Texturen entstammen ebenfalls den Videoaufnahmen. Auch Freunde der beiden haben mit Taniguchi gesprochen und so Einblicke in ihre Privaträume reproduzierbar gemacht. Es entsteht eine leicht deformierte Parallelwelt, in der sich nun alles zu verschieben beginnt. Am Ende ist die Grenze »Bildschirm« vollends aufgehoben.

Mittlerweile sollte ja allseits bekannt sein, dass Microsoft der NSA Zugriff auf Dienste wie eben auch Skype gewährt. Angesichts solcher Möglichkeiten wie sie Taniguchi hier vorführt, sollte man vielleicht doch noch mal, über einen verstärkten Protest nachdenken.

PS: Michael Seemann, der für SPEX vor einigen Monaten den Artikel »Das neue Spiel: Prism vs Kontrollverlust« schrieb, wird die darin formulierten Gedanken und Strategien demnächst ausführlich in Buchform aufbereiten – dazu läuft derzeit noch eine Crowdfunding-Kampagne. (Die Buch- und Hörbuchfassung wurden bereits gesichert, derzeit geht es um die Finanzierung eines vorab zu veröffentlichenden Essays.)

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