Hingucker: Interfilm + Randfilmfest + Beat The Silence

Still aus dem estnischen Animationsfilm Fly Mill / Kärbeste veski von Anu-Laura Tuttelberg

Eins plus eins plus eins macht: Filmkultur hoch drei. Festivals in Berlin, Kassel und Düsseldorf zeigen, was abseits vom 08/15-Kinoformat alles so geht.

Stumm, kurz, randständig. Die Bandbreite des Filmgeschehens, das im normalen Blockbuster-Business, im Streaming-Alltag und auch im Arthouse-Kino oft zu kurz kommt, ist im Laufe der nächsten zwei Wochen auf gleich drei Filmfestivals zu bewundern.

Noch am heutigen Abend eröffnet in der Volksbühne in Berlin das Internationale Kurzfilmfestival Interfilm, das mit seiner bereits 31. Ausgabe einmal mehr die Kunst der Verkürzung feiert – eindrücklich zu bewundern im Festival-Trailer hier weiter unten. Neben diversen Wettbewerbsreihen und Publikumspreisen gibt es bis zum 15. November unter anderem auch Schwerpunkte zu den Themen Flucht und Menschenrechte sowie einen Länderfokus auf Kanada, in dessen Rahmen der 1987 gestorbene Trickfilmer Norman McLaren gewürdigt wird.

McLaren kreierte einige der Soundtracks für seine Animationen, indem er die Tonspur am Rand des Films von Hand manipulierte und die Klänge sozusagen direkt auf die Bilder zeichnete. Für den Rand interessiert man sich auch in Kassel: Der dort ansässige Randfilm Filmclub, laut Eigendefinition eine nicht-kommerzielle Vereinigung zur Förderung abseitiger Filmkultur, feiert von 20. bis 22. November zum zweiten Mal sein Randfilmfest. Im Interim am Hauptbahnhof Kassel ist eine schmale Auswahl an erlesenen Abseitigkeiten aus den späten Sechziger- bis Mitte der Achtzigerjahre zu sehen, darunter Filme von Alejandro Jodorowsky, Dario Argento und Lucio Fulci.

Der einzige nicht-retrospektive Ausreißer unter den sieben Auserwählten ist Aleksei German mit seinem 2013 fertiggestellten bildgewaltigen Werk Es ist schwer, ein Gott zu sein. Ergänzt wird das Randfilmfest durch ein Musikprogramm an allen drei Abenden, Vorträge und eine Diskussion zum Thema »Argento, Fulci und die Ästhetik der Gewalt«.

Stumm, allerdings alles andere als sang- und klanglos wird es bei Beat The Silence zugehen. Im Filmmuseum Düsseldorf und im Planetarium Erkrath findet vom 12. bis zum 15. November, ebenfalls zum zweiten Mal, das Festival für »Stummfilm-Musik-Experimente« statt. Die Versuchsanordnung ist die folgende: Stummfilmklassiker werden mit eigens für das Festival in Auftrag gegebenen Vertonungen zur Aufführung gebracht. Musiziert wird dabei meist live, so etwa vom Duo Grandbrothers, das Klänge aus präpariertem Klavier und Elektronik lockt, während Bewegtbilder von Man Ray aus dem Jahr 1926 über die Leinwand flimmern. Und: Kurze Stummfilme von experimentell über Slapstick bis hin zu Randständigem sind auch zu sehen. Wir wünschen gute Projektion.

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