High Places High Places vs. Mankind

High Places vs. Mankind Pop-Briefing Tonträger TeaserWaak: »Exquisite Corps« ist ein auf einer surrealistischen Technik basierendes Partygesellschaftsspiel, bei dem jeder Mitspieler ohne Ansehen der Vorarbeit der anderen ein Satz- oder Bildfragment zum entstehenden Gemeinschaftswerk beisteuert. Genau auf Basis dieser Methode schreibt das aus Brooklyn stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Duo High Places, bestehend aus Mary Pearson und Rob Barber, seine Songs: Ideen entwickeln die beiden nicht gemeinsam und in Abstimmung, sondern getrennt voneinander. Ergebnis dieser Methode ist ein in der anschließenden Assemblage stets eintretendes Überraschungsmoment.

    Dax: Ständig meint man, die frühe Madonna singen zu hören – nur eben nicht zum Sound der für sie so typischen, zielführenden Eighties-Pop-Juwelen, sondern zu verzettelten, nie geradeaus treibenden Klangprismen. Aber es singt gar nicht Madonna!

    Waak: Nein, wir hören Mary Pearsons mit Sirenenstimme geträllerte Melodien, teilweise mehrfach übereinandergelegt zum Chorgesang. Neu im Klangbaukasten der High Places ist die Präsenz von Gitarren, die sich trotz exzessiver Bearbeitung durch Stereo-, Delay- und Reverb-Effekte noch als solche zu erkennen geben.

    Dubro: »On Giving Up« ist der Hit dieses Albums. Er steht auch exemplarisch für den neuen Sound der High Places, vielleicht weil er viel aufgeräumter und strukturierter ist als das Album zuvor. Vielleicht spielen die beiden heute einfach weniger »Exquisite Corps« als früher?

    Waak: »The Longest Shadows« ist der zweite Hit der Platte. In diesem Stück lehnt sich Pearsons Melodieführung geradezu plagiatorisch vor allem an Madonnas Welthit »Like a Prayer« an. Mit allerlei Percussion, einem stampfenden Beat und vor allem einem eigenen Text ausgestattet, wird der Song aber zu einem der High Places. Exquisit auch die Dub-infizierte Miniatur »The Most Beautiful Name«, deren Text die schönste Zeile des Albums aufweist: »All those russian novel things / Leading nowhere at all«.

    Dubro: Die neuen Lieder fallen deutlich düsterer und nüchterner aus als die Songs ihrer ersten Platte. So drängt sich am Ende die Frage auf, ob Pearson und Barber erwachsener geworden sind, wie man in solchen Fällen gerne mutmaßt – oder ob diesmal einfach nicht so viele Drogen im Spiel waren?

    Hübener: Ein interessanter Gedanke, dass sich Düsternis und Nüchternheit einstellen, wenn man älter wird oder die Drogen mal weglässt. Gefühltes Entstehungsdatum dieses Zweitwerks: 1984. Da wären die High Places weit vorn gewesen. Und wenn schon: So ist es auch toll! Außerdem gelingt dem Duo das Kunststück, zwar komplett unheutig, nicht aber retroistisch zu klingen. Knicks!

    Waak: Wo wir über Nüchternheit, Düsternis und Erwachsenwerden sprechen: In »When it Comes« thematisiert Pearson den Tod. Ihren eigenen. »I close my eyes when it comes / From dust to dust« singt sie und mahnt, gleich einer Bahnhofsdurchsage, mehrmals aus dem Hintergrund: »It’s about time«. In diesem Sinne: Over and out.

 

LABEL: Thrill Jockey | VERTRIEB: NTT / RTD | : 09.04.2010

High Places Live:
12.05. Berlin –
Spex Live @ Berghain (mit Robyn, Villagers, Elektro Guzzi, Aeroplane, Trevor Jackson, Annie, u.v.a.)


STREAM: High Places – High Places vs. Mankind


VIDEO: High Places – I Was Born

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