Henrik Schwarz Instruments

Wie Henrik Schwarz auf Instruments die Technik des Pop der Klangästhetik der Klassik unterwirft.

Pop mit Orchester gibt es immer wieder. Entweder, um die große emotionale Geste der Popmusik zu unterstützen (im Gothic-Metal-Sopran à la Nightwish oder im Hipster-Pathos von Woodkid), oder aber, um in die Jahre gekommene Hits aufzupolieren, so geschehen bei Metallica mit dem San Francisco Symphony Orchestra. Beides hat eine zum Kitsch neigende Ader, weil sich die jeweiligen Eigenheiten von Pop und Klassik im simplen Aufeinanderklatschen nivellieren. Klassik atmet, ist im Tempo nicht straight und folgt in Ausdruck und Interpretation einer motivisch-formalen Linie. Popmusik ist harmonisch unmittelbarer, aber rhythmisch viel fester in einem gleichbleibenden Puls verankert. Wird nun die motivische Fülle der Klassik ins Stampfmetrum der Popmusik gezwängt, erinnert das an die Klassik-Remix-Versuche auf dem Ballermann der späten Neunzigerjahre.

Der House-Produzent Henrik Schwarz tut deshalb gut daran, die Four-to-the-floor-Bassdrum aus seinen Tracks zu werfen, wenn er seine Musik für ein Kammerorchester neu arrangiert. Unter der Leitung von Emi Akiyama spielten 27 Musiker sechs seiner Tracks sowie ein neu komponiertes Stück ein. Das Ergebnis ist fast witzig: Es klingt nach einem Klassikalbum, irgendwo zwischen Spätromantik und Frühmoderne, aber mit der Monotonie und Repetition, die klassische Musik erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennenlernte. Die Holzbläser sorgen für die Flächen, während die Streicher rhythmische Akzente setzen. Der Puls der Originalversionen bleibt auch ohne Beat hörbar, was das Orchester zum Teil etwas ungeerdet hoppeln lässt. Doch es bleibt in der klassischen Klangsprache und adaptiert die Form und Harmonik der Musik gelungen auf den Orchesterapparat.

So ist Instruments mehr Klassikalbum als Pop-Platte, weil sich die Technik des Pop der Klangästhetik der Klassik unterwirft. Das funktioniert gut. Die umgekehrte Variante gilt es – bitte bald – noch auszuprobieren. Etwa mit der Atonalität des Noise, den Glissandi der Streicher und dem Bass-Beat der Hörner.

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