Heldinnen: Start des Internationalen Frauenfilmfestivals

Bild: Sand Storm / IFF Dortmund/Köln / Vered Adir-Jalal & Masarwa-Lamis Ammar

Das Kino als Spiegel der Gesellschaft: Frauen sind in allen Teilen der Filmproduktion unterrepräsentiert. Das Internationale Frauenfilmfestival stellt in diesem Jahr reichlich 80 Arbeiten vor, die den Weg in eine hoffentlich weibliche Zukunft auf den Leinwänden weltweit weisen.

Man kann ja den eigenen Augen nicht trauen, deshalb Statistik vorab: in den Kinos bleibt es zappenduster. Der Held, ob auf oder abseits der Leinwand, ist männlich. Frauen besetzen in den internationalen Kassenschlagern kein Drittel der Hauptrollen. Wenn es doch dazu kommt, wird woanders geknausert. An der Klamotte zum Beispiel. Die Frau im Film ist mindestens halbnackt.

Dabei geht so einiges – jenseits der Statistik. Beklagenswert ist, dass man danach suchen muss. Das Internationale Frauenfilmfestival zeigt, dass diese Suche sich lohnt. Und arbeitet so seit über zwei Dekaden hartnäckig an seiner eigenen Abschaffung. Im jährlichen Wechsel wird in Köln und Dortmund Regisseurinnen, Kamerafrauen, Filmmusikerinnen, Schauspielerinnen und anderen weiblichen Filmschaffenden ein Podium geboten, damit Festivals mit Frauenschwerpunkt hoffentlich irgendwann obsolet werden. Das Nahziel bis dahin: Sichtbarmachen.

IFFF2016_Die_GetraeumtenDie Geträumten / IFF Dortmund/Köln

Vielschichtige Einblicke in den generationenübergreifenden Kampf beduinischer Frauen gegen das Patriarchat liefert bereits der Eröffnungsfilm Sufat Chol (Sand Storm) – ein Sundance-prämiertes Mutter-Tochter-Porträt der israelischen Regisseurin Elite Zexer, das ins Rennen um den mit 10.000 Euro dotierten Internationalen Debut-Spielfilmpreis geht, der neben einem Nationalen Nachwuchspreis für Bildgestalterinnen sowie dem Publikumspreis ausgelobt wird.

Flankiert von zahlreichen Schulfilmvorführungen – neben dem Frauenfokus hat sich das Festival auch die Themen Film- und Medienkompetenz auf die Fahnen geschrieben – und Workshops wie einem Wikipedia-Training (auch unter den Autorinnen des Wissensportals herrscht akuter Frauenmangel) ist der österreichische Spielfilm Die Geträumten eine Empfehlung unter den reichlich 80 Streifen im sechstägigen Programm. Unter der Regie von Ruth Beckermann vertonen Laurence Rupp und Anja Plaschg den 260 Seiten umfassenden Briefwechsel des Lyriker-Paares Ingeborg Bachmann (Vater: NSDAP-Mitglied) und Paul Celan (Holocaust-Überlebender) bis zu dessen Selbstmord – die Kamera läuft mit.

IFFF2016_Folkbildningsterror_Foto_Goeteborgs_Foerenade_MusikalaktivisterFolkbildningsterror / Goeteborgs Foerenade Musikalaktivister / IFF Dortmund/Köln

Überdies fragt die Sektion begehrt! nach den Ausdrucksmöglichkeiten des queeren Films. Wie Begehren, Sex und Geschlecht aktuell verhandelt werden, führen unter anderem das schwedische DIY-Musical Folkbildningsterror sowie der französische Dokumentarfilm Je ne suis pas féministe, mais… vor Augen. Und noch ein Schwerpunkt, der den Blick weiten soll: Mexiko. Anlässlich des offiziellen Mexikojahres in Deutschland 2016/17 präsentiert der diesjährige Länderfokus beispielsweise die Doris-Dörrie-Doku Dieses schöne Scheißleben, in der weibliche Mariachi-Profis gegen die Machismen in Mexiko-Stadt anspielen, sowie Seguir viviendo, eine Art Roadmovie über die Flucht zweier Teenager, in dem Alejandra Sánchez Fakten mit Fiktion zusammenführt.

Internationales Frauenfilmfestival
19. – 24.04. Köln – Diverse Locations
Alle weiteren Informationen sowie Tickets gibt es hier.

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