Heinz Strunk Der Schorfopa

Kurzhörspiele, Vol. 2: Der Heinzer setzt einen drauf. Das Prinzip ist dasselbe wie bei »Mit Hass gekocht«. Anders als die im TV laufende Comedy, die zwar Schwule und Migranten kennt (und furchtbar mühselig voran kommt in deren Darstellungsmöglichkeiten), aber kaum soziale Schichten, geht Strunk in die Bierkneipen und Großraumdiscos. Es ist bescheuert, Witze zu erklären. Mir fällt allerdings schon auf, wie sehr Heinz Strunk seine Figuren »verrät«. Diese Vokabel steht im Lexikon der No-Gos jeder Regie-Arbeit, und wenn einem mal nichts einfällt, kann man wie jüngst Andrea Breth im Vorfeld ihrer »Eugen Onegin«-Inszenierung auf den Salzburger Festspielen beteuern: nö, meine Figuren verraten, da halte ich nichts von. Strunk macht´s doch, und bei Strunk höre ich weiter, während ich »Eugen Onegin« nach braven 15 Minuten ausschaltete (war so eine irre österreichische Angelegenheit, ORF und 3sat übertrugen mit Schaltungen von direkt hinter der Bühne). So hässlich sind Strunks Typen, so widerlich, dass er sich nämlich eben gerade damit selbst verrät und quasi in seiner eigenen Würde verletzt. Was haben wir da: Studio-Sprecher-Witze (»Kornkammer Deutschland«), Ekel-Witze (der Titel-Track), Sex-Witze (»Womanizer«) und Fußballkommentatoren-Witze (»Unter die Dusche«). Mal besteht die Pointe darin, dass sie einfach ausbleibt, mal speit der Hamburger mit Flausen nur so um sich. Zugenommen gegenüber »Mit Hass gekocht« haben Werbe-Jingles, und gerade hier tobt sich der wirre Geist aus und halluziniert »Heilen mit Brühe«, mongolische Tierkreiszeichen, Kackstelzen, »Schlimme Augenwurst«. Schlimme Augenwurst übrigens ist eine Wurst aus schlimmen Augen, so kann man Strunk auch ganz gut erklären. Gebaut ist die Sammlung rund um ein Treffen des Heinz Strunk-Fanclubs. Der ist jetzt erstmal traurig, denn im Booklet erklärt Strunk das Kapitel Kurzhörspiele hiermit für beendet (»Helge Schneider hat schließlich auch nur zwei Hörspielalben rausgebracht«.) Servus, ihr Polypen-Nasen, ich hab’ euch doch a bisserl lieb.

LABEL: Roof Music

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 03.08.2007

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