Heim „WS“ / Review

Cover: Heim „WS“

Auf Heim ist Verlass: Seit ihrem gleichnamigen Debüt, das 2015 erschien, veröffentlichen sie pro Jahr ein Album. Und trotzdem verfallen sie nicht dem ideenlosen Trott klampfender Alternative-Rocker_innen, wie sie auch mit WS wieder unter Beweis stellen. Fazit: Es gibt also doch noch Überraschungen mit Gitarren.

„Es ist alles da, es ist alles da“, singen Heim in „Alles da“, dem letzten Stück ihres neuen Albums. Dessen Titelversalien WS könnten natürlich für alles Mögliche stehen. Für Waldorfschule zum Beispiel, oder für ein Kleinsiedlungsgebiet im Bebauungsplan, was zur spannungsgeladenen Heimatverbundenheit der drei Franken passen würde. Ist aber auch egal, denn es ist tatsächlich alles da, was Freund_innen alternativen Rocks fernab des Mainstream-Malstroms gefällt. Jubilierende, himmelwärts strebende Gitarrensoli à la Dinosaur Jr. (um diesen Vergleich kommt man wirklich nicht herum), kontrastiert und auf den Bretterboden runtergeholt von brachialem Bass und Schlagzeug. Wütend, laut, sperrig und doch geschmeidig, melodisch und hochemotional ohne, nun ja, Emo zu sein. Denny Thasler, Michael Shihrer und Florian Bauer schreiben dazu deutsche Texte, die sich gut und richtig anfühlen, auch wenn es um sensible Themen wie das Sterben im Altersheim oder den Wert von Freundschaft geht.

es ist alles da, was Freund_innen alternativen Rocks fernab des Mainstream-Malstroms gefällt.

Diese Band hat Bock auf das, was sie spielt, auch wenn es ihr hörbar schwerfällt, sich von den Ahnen zu emanzipieren. Aber genau das wollen und machen Heim: neuen Post-Grunge-Rock. Drei Platten in drei Jahren zeugen von Notwendig- und Dringlichkeit. Beinah logisch eigentlich, dass die Band gerne als „authentisch“ bezeichnet wird. Stimmt aber zum Glück nicht: Obwohl WS so ungeheuer dicht, direkt und druckvoll klingt, waren dafür Heim nie gemeinsam im Studio, weil sie zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht mal einen Proberaum hatten. Alle Songs entstanden in Einzelteilen, getrennt voneinander aufgenommen. Gibt also doch noch Überraschungen mit Gitarren.

Diese Albumkritik ist auch in SPEX No. 383 erschienen. Das Heft ist versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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