Heaven And

Heaven And Tonträger Pop-BriefingBraun: Eine sich Takt um Takt emporschraubende Basslinie, ein Grundrauschen aus Perkussion, dazu jaulende Lap-Steel-Gitarren – Heaven And steigen gleich mit dem ersten, siebenminütigen Track »Babylon« auf höchstem Energie-Niveau ein und halten dieses über die sechs Stücke und 46 Minuten ihres rein instrumentalen Albums. Die beiden Schlagzeuger Tony Buck und Steve Heather spielen traumwandlerisch zusammen, dabei unterläuft ihnen keinen Beat zuviel. Zeitblom am Bass und Gitarrist Martin Siewert ergänzen die beiden zu Heaven And. Alle vier sind anerkannte Größen der improvisierten Musik. Das Material des Albums »Bye and Bye I’m Going to See the King« ist jedoch, ganz entgegen der Regeln der Improv-Szene, nachträglich manipuliert und ergänzt worden. Ganz offenkundig wurden Sound-Prismen, also Effekte wie Delay und Echo, zu Hilfe genommen. Diese Bearbeitung verstärkt die Räumlichkeit der Arrangements. So entsteht eine Musik, die in ihren besten Momenten Trance und seltsame Bilder triggert.

    Dax: Auf dieses zweite Album von Heaven And trifft zu, was Ralf Krämer in Spex #326 über Faust schreibt: Hier wird versucht, sich über die Avantgarde nach vorne zu schmuggeln.

    Brion: Dem Quartett geht es in seinem prozessorientierten Spiel um die Reflexion von Sound an sich. Ob im aufmerksamen Spurenlesen der Stilverweise oder in rein kontemplativer Versenkung – man folgt einer verkreuzten Dynamik von Verdichtung und Auflösung. In dem Stück »Blue, Even« schält sich aus minutenlangem Noise-Gebrumme mühsam eine immer vergnügtere Americana-Gitarre, bis alle Verschachtelung in entspanntem Idyll aufgeht. Es spiegelt sich hier ein spezifisches Interesse an den Wirkungen von instrumentalem Klang, das sich abseits des Bandkontextes bereits in zahlreichen Produktionen für Theater, Film und Hörspiel oder in Multimedia-Installationen der einzelnen Musiker niedergeschlagen hat.

    Braun: Wenn Heaven And es schaffen, die magischen Wirkmomente, die auf »Bye and Bye I’m Going to See the King« immer wieder unvermittelt auftauchen, eines Tages auf Albumlänge auszufahren und mit ihrem großartigen Gespür für Raum zwischen den Tönen zu verbinden, dann werden wir es voraussagbar mit einer großen Platte zu tun haben.

 

LABEL: Staubgold | VERTRIEB: Indigo | : 23.04.2010

Heaven And Live:
17./18.07. A-Nickelsdorf – Jazzfest
06.08. Scheer – Klangbad Festival
mit These New Puritans, Jimi Tenor & Kabu Kabu, Mekons, Gustav, A Hawk and A Hacksaw, FM Einheit & Irmler, Cluster, Spex DJ-Team (Max Dax & Martin Hossbach), Skug Soundsystem, u.v.a.

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