Heather Leigh „Throne“ / Review

War der Vorgänger von Heather Leighs jetzigem Album noch eher klanggewordenes schwarzes Loch, finden sich nun zunehmend sonorische, instrumentale Konturen. Dass es ihr trotzdem noch immer darum geht, Gefühle zu regen und nicht also bestimmte Geschichten zu erzählen, zeigen die schwer verständlich gesungenen Texte wie das ihnen stets eingeschriebene Klagemoment.

Wieder mehr Song also. Nach Heather Leighs in jeder Hinsicht spartanischem letzten Album I Abused Animal, auf dem es sehr wenige Instrumente und noch weniger Entwicklung gab, nimmt sich die US-amerikanische Wahlschottin auf Throne vergleichsweise viel vor. Neben Pedal-Steel-Gitarre und ihrer Stimme lässt sie etwa Synthesizer und Drumcomputer zu, die den sechs Songs wieder zu klarer konturierten Melodien verhelfen. Und manchmal sogar zu Refrains. Was natürlich nicht heißen soll, dass Leigh jetzt eine gewöhnliche Singer-Songwriterin ist. Auch Throne ist eine höchst zurückgenommene und offene Angelegenheit. Allerdings weniger ausgestellt, reine A-cappella-Nummern sucht man beispielsweise vergebens. Trotzdem zeichnen sich Leighs Gitarrenspiel und ganz besonders ihr Gesang noch immer durch eine körperlose, beinahe gespenstische Entrücktheit aus, die sie stellenweise wie ein Nachbild ihrer selbst wirken lassen.

Dass ganz konkreter Schmerz jedoch eines ihrer Hauptthemen ist, hört man deutlich – selbst wenn man kein Wort verstehen sollte. Der Klagemodus ist fest eingeschrieben in Leighs irrlichternde, einen Grundton vage umkreisende Klanglinien. Zugleich verkörpert Throne eine verletzliche Sinnlichkeit, die in Kontrast zur spukhaften Grundstimmung steht. Eine Innerlichkeit, die sich in Songs wie „Soft Seasons“ zunächst hinter einsam sägenden Gitarrentönen und hinkenden Drums versteckt, um sich dann umso ungeschützter vorzuwagen. Beinahe zärtlich. In „Gold Teeth“ hingegen bekommt der reduzierte Folk-Gestus des Songs durch ein sehr einfaches Mittel eine unheimliche Dimension verliehen: Leigh streckt diese ziellos treibende Versenkung einfach auf 15 Minuten, in denen sich eine verzerrte Gitarre immer tiefer verirrt. Ohne einen Hauch von Seligkeit – dafür mit viel Sehnsucht.

Diese Kritik ist auch in SPEX No. 383 erschienen. Das Heft ist nach wie vor versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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