»Ich gehe ungern vor die Tür, und fürs Übersetzen braucht man das nicht« – Harry Rowohlt ist gestorben

Foto: Martin Kunze

Der Übersetzer, Autor, Rezitator und Schauspieler Harry Rowohlt ist tot. Er erlag den Folgen einer Nervenkrankheit im Alter von 70 Jahren.

»Das Publikum muss miterleben können, wie man sich zugrunde richtet. Und sich nach Möglichkeit auch selbst zugrunde richten.« – das Gewicht von Sätzen wie diesen vermochte ihr Urheber durch seine Präsenz immer aufzufangen: Harry Rowohlt war ein physisches Ereignis, ein wandelnder Rauschebart, ein einmaliger Charakter. Aufgefordert, sich selbst in drei Worten zu beschreiben, antwortete er einmal: »Dick, faul und gefräßig.«

Als Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt und der Schauspielerin Maria Rowohlt im Jahr 1945 geboren, übertrug Harry Rowohlt Klassiker wie Ernest Hemingway oder James Joyce ins Deutsche. Er übersetzte Bücher von David Sedaris und Kurt Vonnegut, Texte des Musikers Leonard Cohen und des Comicautors Robert Crumb sowie die Abenteuer des Teddybären Winnie-The-Pooh.

Rowohlt las die schweinischsten Stellen aus dem Alten Testament sowie unzählige weitere Hörbücher ein. Er sorgte bei Lesereisen immer wieder für spektakulär polternde Auftritte und für ausverkaufte Häuser und wurde nicht zuletzt auch einem weniger literaturaffinen Publikum durch seine Rolle als Obdachloser in der TV-Serie Lindenstraße bekannt

Am Abend des 15. Juni starb Rowohlt nun in Hamburg an den Folgen einer unheilbaren Nervenkrankheit. Er wurde 70 Jahre alt.

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