Hans-Joachim Roedelius & Arnold Kasar „Einfluss“ / Review

Zwischen Spieluhren und ein bisschen jazziger Coolness bleibt die Musik von Kasar und Roedelius immer einfach, immer beruhigt, immer im besten Sinne unambitioniert.

Klassische Musik gilt gemeinhin als urkompliziert. Das liegt zum einen am technischen Können, das man braucht, um manche der Stücke spielen zu können. Aber auch an der Szene, also der Hörerschaft, die sich gerne selbst ins Elitäre hievt. Und einfach, leicht zu fassen oder zugänglich hat man es in diesen Kreisen nicht so gern. Wohl deshalb wirkt die Klassik oft so ausgesprochen unsympathisch. Denn so kompliziert ist das mit der klassischen und romantischen Musik eigentlich gar nicht. Etwa Schumanns Kinderszenen: Diese zierlichen, wunderschönen Miniaturen haben einfache A-B-A-Strukturen und minimal verschobene, aber besondere harmonische Wendungen. Doch sie haben nichts mit der bornierten Schwierigkeit zu tun, mit der sich der Connaisseur so gerne umgibt.

Kindliches Erstaunen angesichts der schlichten Schönheit von Musik.

Das gilt auch für Einfluss, das gemeinsame Album von Kraut-Pionier Hans-Joachim Roedelius und dem Pianisten Arnold Kasar, der die Berliner Elektronikszene genauso kennt wie die Klassik. Es besticht durch eine ähnlich verlockende Schlichtheit, wie diejenige, die Schumanns Kinderszenen in eine so edle, entrückte Sphäre stellt. 19 kleine Stücke, die sich aus knarzenden Sounds, einem Klavier mit viel Korpus- und Nebengeräuschen, sphärischen Synthieflächen und vor allem aus der Monotonie des Krautrocks zusammensetzt. Meist zupft der klassisch ausgebildete Kasar die Saiten des Klaviers, während Roedelius einfache, harmonisch an Kinderlieder erinnernde Phrasen spielt. In „Rolling“ etwa, dessen zweiter Teil mit der Kompositionslehre im Sack in die Moll-Parallele kippt und mit einem langsamen Arpeggio des Grundakkords endet.

Zwischen kleinen Spieluhren und ab und an ein bisschen jazziger Coolness (etwa in „Blaupause“) bleibt die Musik jedoch immer einfach, immer beruhigt, immer im besten Sinne unambitioniert, aber von sich selbst berührt. Womöglich eine Art des kindlichen Erstaunens angesichts der schlichten Schönheit von Musik, das sich manche Musiker im Erwachsenenleben bewahrt haben. Schumann in seinen Kinderszenen etwa. Oder Roedelius und Kasar auf Einfluss – der Titel würde ja passen.

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