Hamilton Leithauser + Rostam »I Had A Dream That You Were Mine« / Review

Wer nachts gern betrunken gegen Litfasssäulen läuft, muss sich weiterhin mit den alten Alben von The Walkmen in Stimmung bringen. I Had A Dream That You Were Mine ist eine makellose Könnerplatte. 

Manchmal ist Rock’n’Roll dazu da, dass man ihn aushält. Beweisstück A: die Karriere von Hamilton Leithauser. Als Mitglied von The Walkmen war Leithauser zwischen 2008 und 2012 der beste Sänger New Yorks. Seine Band hatte damals einen unglaublichen run, der vor allem deshalb unglaublich war, weil sich alles so beschwerlich anfühlte, was The Walkmen taten. Nirgendwo klangen die Bläser eindeutiger nach Beerdigung, niemand ließ die Gitarren konsequenter ausleiern, keiner sang so ernsthaft wie Leithauser über Menschen, bei denen unklar blieb, ob sie das Großstadtleben verbrauchten oder doch das Großstadtleben sie. Dann lösten The Walkmen sich auf und Leithauser entdeckte den Spaß an der Freude. Stellen Sie sich nun seine Miene vor wie das Emoticon auf ihrem Smartphone, dessen Gesicht aus zwei kurzen und einem langen Strich besteht.

Nicht das Studio ist der zentrale Ort dieser Platte, sondern die Veranda.

I Had A Dream That You Were Mine ist das neuste in einer Reihe kollaborativer Projekte, mit denen sich Leithauser die Zeit vertreibt. Diesmal an der Seite von Rostam Batmanglij, frisch ausgestiegen bei Vampire Weekend, was sauber in diesen Text passt, weil deren letzte Platte Modern Vampires Of The City schon vor drei Jahren klang wie The Walkmen mit Ivy-League-Diplom. Batmanglij steht in dem Ruf, ein Studiozauberer und Soundschlitzohr zu sein: Man erwartete deshalb eine Jamie-xx-mäßige Solokarriere von ihm, die der 50s-Rock’n’Roll auf I Had A Dream That You Were Mine ganz wunderbar unterläuft. Nicht das Studio ist der zentrale Ort dieser Platte, sondern die Veranda. Leithauser und Batmanglij hollywoodschaukeln einander dort in süße Träume, mit Leierkasten, Banjo, Slidegitarre und anderen Kennzeichen amerikanischer Musiktradition. Wer nachts gern betrunken gegen Litfasssäulen läuft oder Elektroinstallationsverteiler anbrüllt, muss sich weiterhin mit den alten Alben von The Walkmen in Stimmung bringen. Wer sich nicht nur dafür zu alt fühlt, findet sicherlich Freude an Instrumentierung und Arrangements dieser makellosen Könnerplatte.

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